Hakenkreuz-Skandal um Identitären-Chef

Sticker auf Synagoge

Hakenkreuz-Skandal um Identitären-Chef

 

Wien. Der „Posterboy“ der „neuen Rechtsextremen“, wie ihn die britische BBC gestern bezeichnete, wird nun von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt. 2006 gestand der heutige Identitären-Sprecher neonazistische Aktionen in seiner Heimatstadt Baden. Damals beklebte er die dortige Synagoge mit Hakenkreuz-Stickern. Heute will er das als „Provokation“ verstanden wissen. Und versucht, sich als geläutert zu geben. Er sei kein Neonazi mehr.

Aber nicht nur der inländische Verfassungsschutz hat gewisse Zweifel daran:

Martin Sellner erklärte beim Grazer Identitären-Prozess 2017 – die Justiz wollte die rechtsextreme Gruppierung damals verbieten – , dass ein Foto, das ihn mit dem einstigen Chef der Neonazi-Szene, Gottfried Küssel, zeigt, aus „2010 oder 2011“ stamme. In Wahrheit wurde das Foto 2009 aufgenommen, als die Kameraden zu einem Gedenken für einen NS-Flieger marschierten. Tatsächlich dürfte Sellner aber bis 2011 – bis Küssel erneut wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde – im Kontakt mit dem Ex-VAPO-Führer und dessen Neonazi-Freunden gewesen sein.

Gründung der Identitären, nachdem Mentor in Haft war

Zwei weitere Kameraden von Küssel wurden damals zu Haftstrafen verdonnert. Bemerkenswert: Erst danach löste sich Sellner, der Philosophie studierte, von Mentor Küssel und Co.

Nach Besuchen in Frankreich – dort wurde die Gé­nération Identitaire 2012 ­gegründet – gab er sich als „Vertreter der neuen Rechten“ und gründete die Iden­titären in Österreich mit. Im März 2018 untersagte übrigens Großbritannien Sellner und seiner Verlobten Brittany Pettibone die Einreise. Sie ist in den USA eine Vertreterin der „neuen Rechten“ mit den Ideen von vorgestern.

Sellner Pettibone © Instagram/brittpettibone Sellner und seine Verlobte Pettibone, eine Vertreterin der "neuen Rechten" in den USA.

Sellner über "Strategie" und "Judenfrage"

Der britische Sender ITV filmte unter anderem Martin Sellner „undercover“, als er vor britischen Identitären sprach. Sellner erklärte, dass er „kein Rassist“ sei. Er verstehe „völlig, dass die Judenfrage in den 1930er-Jahren“ von den Menschen als „Problem angesehen worden sei“. Heute sei aber das „Problem“ der Islam. Die US-Rechten seien nach wie vor von „der Judenfrage dominiert“. Das sei „ein strategischer und theoretischer Fehler in unserer Zeit“, so Sellner, der damit die Strategie der Identitären offenbart. In dem Beitrag gibt er auch Kontakte zu US-Neonazis zu, die er aber nicht offen spiele, um den Identitären nicht zu schaden.

FP-nahes Online-Portal attackiert Kurz frontal

Dass VP-Kanzler ­Sebastian Kurz die rechtsextremen Identitären als „widerlich“ bezeichnet und von der FPÖ eine „klare Abgrenzung“ fordert, löst in Teilen der blauen Basis offensichtlich äußerst negative Emotionen gegen den Kanzler aus.

Das FPÖ-nahe Online-Portal „unzensuriert“ spekuliert, dass sich Kurz an den Identitären „rächen“ wolle, weil diese verhindert hätten, dass Österreich dem UN-Migrationspakt zustimme. Geschäftsführer des Online-„Mediums“ ist FPÖ-Parlamentsklub-Mitarbeiter Walter Asperl.

Die „FPÖ Ortsgruppe Oggau“ wiederum beschimpfte Kurz wüst auf Facebook: „Wenn der Basti lieber mit den Roten regieren möchte, soll er es sagen! Er ist ein rückgratloser Wurm, der unbescholtene und rechtschaffene Bürger kriminalisiert. Ein richtiges Weichei eben, der auf Zuruf der Linksextremisten in die Hose gackt.“ Mittlerweile hat sich die Ortsgruppe für den Eintrag entschuldigt …

Isabelle Daniel

oggau.jpg © Facebook

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