Kurz:

Von Russen gehackt?

Kurz: "Versuch, die Wahl zu manipulieren"

ÖSTERREICH im Interview mit Sebastian Kurz zu dem Hacker-Angriff auf die ÖVP-Zentrale.
 
kurz © APA/HELMUT FOHRINGER
 
ÖSTERREICH: Sie sagen, es hätte einen Hackerangriff auf die ÖVP gegeben. Was konkret ist da passiert? 
 
Sebastian Kurz: Es gab einen gezielten und groß angelegten Hackerangriff auf die ÖVP. Das war nicht nur ein Angriff auf die ÖVP, sondern auch ein Angriff auf unser demokratisches System. 
 
ÖSTERREICH: Welches Ziel sollte dieser Angriff verfolgt haben? 
 
Kurz: Das Ziel war den Wahlkampf zu beeinflussen und zu manipulieren. Das hat eine neue Dimension und hatten wir in Österreich so noch nie erlebt. Da wird mit hoher krimineller Energie agiert. 
 
ÖSTERREICH: Und, wer soll da dahinter stecken? In Frankreich, den USA und Deutschland sollen russische Kreise hinter Cyberattacken gegen Parteien gestanden sein? 
 
Kurz: Wir haben die Behörden informiert und bestmögliche Cyber-Security-Experten engagiert. Wir sind guter Dinge, dass wir den Fall bald aufklären können. 
 
 

"Dieser Krimi ist demokratiepolitischer Wahnsinn!"

 

Der neueste Polit-Krimi, der Österreich erschüttert, erinnert stark an die Ibiza-Video-Causa: Die Spionage-Operation war erneut wochenlang vorbereitet, kostete ebenfalls ein Vermögen, es muss ein konkreter Auftraggeber im Hintergrund existieren, und wiederum spielen Journalisten mit ihren Enthüllungen in diesem Fall eine Rolle: Sie bekamen von der kriminell handelnden Gruppe vielleicht sogar bewusst gestreutes Datenmaterial - im neuen Fall eben über eine "doppelte Buchhaltung" der ÖVP.

Ibiza-Video © APA/AFP/SPIEGEL and Sueddeutsche Zeitung

Diesmal ist nicht die FPÖ, sondern die ÖVP über die Straftat empört - ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer im Gespräch mit ÖSTERREICH: "Das ist demokratiepolitischer Wahnsinn, was da abgelaufen ist." Und er konkretisiert: "Wir wurden vor dem Hacker-Angriff in der Parteizentrale in Wien ganz gezielt ausspioniert: Die Täter wollten herausfinden, wer die Personen mit den höchstmöglichen Zugangsberechtigungen in unserem Computersystem sind. Mit diesen Informationen haben sie dann den Hackerangriff gestartet." Was die Parteifunktionäre besonders beunruhigt: Laut den Experten der nun beauftragten Cybersecurity-Firma sei es sowohl möglich gewesen, vertrauliche Daten zu löschen als auch hinzuzufügen. Nehammer: "Da konnte also jemand die Dateien einer Partei ganz nach Belieben verändern - unfassbar."

kurz kravitz © APA/JOHANNES BRUCKENBERGER

Was ebenfalls nun bekannt ist: Die abgefischten oder mutmaßlich auch veränderten Datensätze der ÖVP werden bereits von bisher Unbekannten an - so die ÖVP-Funktionäre - "eher linksorientierte Medien" verteilt. Dass auch die Wiener Stadtzeitung "Der Falter" auf eine Fälschung dieser kriminellen Hackergruppe reingefallen ist, bestreitet deren Chefredakteur Florian Klenk entschieden: "Bei uns ist alles echt." In der ÖVP sieht man das jedoch anders. Generalsekretär Karl Nehammer: "Jener Buchhaltungsbereich, der vom ,Falter' präsentiert worden ist, ist auch unter den gestohlenen Daten, das wissen wir bereits. Leider durften wir nicht diese Dateien sehen und konnten so nicht klären, ob und wie sie verfälscht worden sind."

Die ÖVP hat bereits den Verfassungsschutz eingeschaltet, außerdem versucht ein Team des Cybersecurity-Experten Avi Kravitz zusätzliche Hinweise auf die Identität der Hackergruppe zu ermitteln. Karl Nehammer zu ÖSTERREICH: "Wir sind entsetzt über das hohe Ausmaß der kriminellen Energie. Hier wurde eine Straftat verübt, um die kommende Wahl zu beeinflussen - und einem Spitzenkandidaten zu schaden."

 

Staatsanwaltschaft Wien ermittelt 

 
Die Staatsanwaltschaft Wien hat nach den Berichten der ÖVP über einen Hackerangriff auf die Parteizentrale bereits von sich aus Ermittlungen aufgenommen. Es geht um den Verdacht des widerrechtlichen Zugriffs auf ein Computersystem (§118a StGB) sowie der Datenbeschädigung (§126a StGB), sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag zur APA. Ermittelt wird gegen unbekannte Täter.
 
 
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