Blaues Duell: Hofer "bremste" Stenzel aus

Bundespräsidenten-Wahl

Blaues Duell: Hofer "bremste" Stenzel aus

Ursula Stenzel verzichtete nach FP-Widerständen. Hofer sagte in 
letzter Sekunde zu.

Gestern wurde es endlich offiziell: FPÖ-Nationalratspräsident Norbert Hofer ist der blaue Hofburg-Kandidat. Eine Entscheidung, die nicht ohne Streit in der blauen Welt abgelaufen war.

Immerhin war Ursula Stenzel ursprünglich die Favoritin von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Hofer selbst wollte hingegen nicht antreten. Dementsprechend skurril lief gestern dann auch die Präsentation ab. Um doch Geschlossenheit zu symbolisieren, marschierte Strache gemeinsam mit Stenzel und Hofer zur Präsentation ein.

„Liebe Ursula, hilf mir doch, unser Plakat zu präsentieren!“, sagte Strache, bevor die Leider-nein-Kandidatin das Plakat mit Hofer enthüllen musste.

Warum Hofer in letzter 
Sekunde doch zusagte

Im kleinen Kreis machte der FP-Hofburg-Kandidat gestern gar kein Hehl daraus, dass er in der Früh noch gar nicht gewusst habe, dass er statt Stenzel ins Rennen gehen müsse. Die blaue Basis, die FPÖ-Burschenschafterriege und Oberösterreichs mächtiger FP-Chef Manfred Haimbuchner hatten sich am Mittwoch vehement gegen Stenzel quergelegt. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, überzeugte dann Strache Hofer, dass dieser antreten müsse, um ihm einen weiteren Machtkampf zu ersparen.

Spekulation
Dass Teile der FPÖ so gegen Stenzel rebelliert hatten, soll nicht nur mit ihrem matten Wien-Ergebnis zusammenhängen. Der ORF spekulierte gestern in der Zeit im Bild, dass Stenzels jüdische Wurzeln mit ein Grund für die Ablehnung gewesen seien.

Die Ex-City-Chefin gibt sich jedenfalls gelassen: „Ich habe mich sehr geehrt gefühlt. Es war mir aber immer bewusst, es gibt einen sehr geeigneten Mann, Norbert Hofer, der aus Rücksicht auf seine Physis nach seinem schweren Unfall gezögert hatte. Daher habe ich ihn bewusst darin bestärkt.“

Mit 44 Jahren ist er jüngster Kandidat aller Zeiten

Tatsächlich hatte Hofer aus gesundheitlichen Gründen so lange mit einer Kandidatur gehadert. Der Dritte Nationalratspräsident zog sich bei einem Paragleiter-Unfall 2003 schwerste Verletzungen an der Wirbelsäule zu, hat seitdem Schwierigkeiten zu gehen und „täglich Schmerzen“, wie er verrät. Den Wahlkampf müsse man eben darauf anpassen, so der mit 44 Jahren jüngste Hofburg-Kandidat aller Zeiten.

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Ursula Stenzel gibt sich betont kämpferisch. (Quelle: APA)

Stenzel: "Habe dich bewusst bestärkt"
Sie ging in Sachen Hofburg-Kandidatur leer aus. Was Ursula Stenzel dazu sagt.

Stenzel über Hofers Antreten: Ich freue mich aufrichtig, dass du ja gesagt hast.

… über die FPÖ: Ich fühle mich in der freiheitlichen Familie sehr wohl.

… zu der Frage, ob sie enttäuscht ist: Ich habe mich sehr geehrt gefühlt. Es war mir aber immer bewusst, es gibt einen sehr geeigneten Mann, Norbert Hofer, der aus Rücksicht auf seine Physis nach seinem schweren Unfall gezögert hatte, daher habe ich dich bewusst darin bestärkt.

… über Hofers Unfall: Ich selbst hatte auch einmal einen schweren Unfall und bin knapp an der Querschnittslähmung vorbei.

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Norbert Hofer will Bundespräsident werden (Quelle: APA)

Hofer: "Präsident und Kanzler in einer Funktion"
Der FPÖ-Kandidat im Interview:

ÖSTERREICH: Was hat Sie doch noch bewogen, anzutreten?

Norbert Hofer: Ich wollte es erst wirklich nicht. Erstens hab’ ich mich zu jung dafür gefühlt, zweitens hab’ ich mich mit meiner 100-prozentigen Behinderung gefragt: Schaff ich das? Bis Mittwochmorgen war ich sicher: Ich mach’s nicht. Dann haben mich Strache, Stenzel und Kickl bekniet. Ich hab’ dann meine Frau angerufen …

ÖSTERREICH: Was sagte sie?

Hofer: Mach’s! Das und die Zusicherung eines barrierefreien Wahlkampfs waren ausschlaggebend.

ÖSTERREICH: Wie wird der?

Hofer: Keine Großveranstaltungen, bei denen ich zwei, drei Stunden stehen muss, und die Garantie einer Physiotherapiestunde pro Tag für mein Training.

ÖSTERREICH: Strache will die Funktionen des Bundeskanzlers und des Bundespräsidenten zusammenlegen. Sie auch?

Hofer: Ich würde sehr viel davon halten, jemanden, der durch die Direktwahl mit so viel Vertrauen ausgestattet ist, wie der Bundespräsident, mit den Funktionen des Kanzlers auszustatten.

ÖSTERREICH: Würden Sie da als Bundespräsident initiativ werden?

Hofer: Ja, ich würde mich da für ein Volksbegehren starkmachen, das von mindestens vier Prozent der Bevölkerung unterstützt werden müsste. Kommt das nicht durchs Parlament, sollte es eine verbindliche Volksabstimmung geben. Das wäre auch ein ideales Modell für andere Materien.

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