Die Regierung der Burschenschaften

Strache, Hofer & Co

Die Regierung der Burschenschaften

Parlament: 40 % der FPÖler sind Verbindungsbrüder 

Das Vaterland, das sie ehren, ist Deutschland, nicht Österreich. Die Fahne, die man auf vielen ihrer Buden finden kann, ist die deutsche Reichskriegsflagge. Sie singen Lieder der Waffen-SS, betrauern den Befreiungstag 8. Mai – und fühlen sich als Vertreter einer längst vergangen geglaubten „Übermenschen“-Theorie. Die Rede ist von den schlagenden Burschenschaften. Vereine, die durch das Nazi-Liederbuch der Germania von Ex-FP-Spitzenkandidat Udo Landbauer in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden mussten. Die FPÖ und die Burschenschaften sind untrennbar verbunden. Aber noch nie saßen so viele Korporierte für die FPÖ im Parlament: 39 Prozent sind es.

4.000 Burschenschafter

Insgesamt gibt es in Österreich rund 4.000 Burschenschafter. 2005, als Jörg Haider sich von der FPÖ abspaltete, retteten sie mit Strache ihre Partei. Seither hätten sie die FPÖ de facto übernommen, erzählt Buchautor Hans-Henning Scharsach, der mit dem Buch Die stille Macht­ergreifung für Aufsehen sorgte.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache – Fechtwart bei der Vandalia – will nun eine Historikerkommission einsetzen, die die braunen Flecken der FPÖ aufarbeiten soll. Doch werden ihm seine Burschenschafter-Kollegen dabei folgen? Von seinen fünf Vizechefs sind – bis auf Innenminister Herbert Kickl – alle Burschenschafter. FPÖ-Klubchef Johann Gudenus bei der Vandalia, sein Stellvertreter Harald Stefan ist ebenso wie Mandatar Martin Graf bei der extrem rechten Olympia. Fast alle FPÖ-Landeschefs – etwa Manfred Haimbuchner (OÖ) und NÖ-Landeschef Walter Rosenkranz – sind ebenfalls Burschenschafter. In allen blauen Kabinetten (s. Grafik) sitzen an den Schaltstellen Verbindungsbrüder. Einige hatten – zumindest in der Vergangenheit – belegbare Kontakte zum rechtsextremen Milieu.

Nicht alle Burschenschaften sind radikal. Die Olympia, die als Kaderschmiede der Blauen gilt, ist aber zumindest für den deutschen Verfassungsschutz von Interesse. Auf Olympia-Veranstaltungen treten regelmäßig „Neonazis und Holocaust-Leugner“ auf, berichtet Scharsach. Ob sich die FPÖ-Historikerkommission auch dieser braunen Flecken annimmt?

Isabelle Daniel

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