Ruth Elsner

ÖSTERREICH-Interview

Ruth Elsner: "Haft war eine Folter"

Ruth Elsner will weiter um die Unschuld ihres Mannes kämpfen.

ÖSTERREICH: Wie war die erste Nacht mit dem Bewusstsein, dass Ihr Mann nicht mehr in Haft ist?
Ruth Elsner: Ich hatte eine schlaflose Nacht. Bis halb zwei Uhr in der Früh habe ich die letzten Kisten zusammengepackt für die Übersiedlung. Als ich endlich erschöpft im Bett lag, konnte ich nicht einschlafen. Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf. Wie wird der erste Abend in Freiheit, das erste Frühstück, der erste Spaziergang. Ich hatte immer Angst, dass alles nur ein wunderschöner Traum ist und nicht Wirklichkeit.
ÖSTERREICH: Wie groß war die Aufregung bei Ihrem Mann?
Elsner: Mein Mann hat gestern im 20-Minuten-Takt angerufen, mit ständig neuen Ideen. Sein Adrenalin-Stoß nach der Nachricht war so gewaltig, dass er nur mehr reden wollte. Wir haben über die Rehab-Möglichkeiten gesprochen, über unsere Pläne wie wir das Verfahren neu aufrollen wollen. Wir geben nicht auf, jetzt wollen wir beweisen, dass mein Mann unschuldig ist.
ÖSTERREICH: Sie haben ihn am Freitag besucht. Ein ungewohntes Gefühl, keinen Justizwachebeamten mehr vor dem Zimmer sitzen zu sehen?
Elsner: Auch wenn die meisten Justizwachen sehr nett waren, so ist es doch ein unbeschreiblich schönes Gefühl, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen, einfach ins Zimmer eintreten zu können.
ÖSTERREICH: Sie haben ja mehrmals erlebt, dass Ihr Mann während der Haft ins Spital musste …
Elsner: Die Spitalsbesuche während der Haft sind bei mir mit besonders schlimmen Erinnerungen verbunden. Als mein Mann in Frankreich in U-Haft war, durfte ich gar nicht sein Spitalszimmer betreten, sondern konnte nur von der Türschwelle aus mit ihm reden. Er war am Bett mit Handschellen angekettet. Seine dreifache Bypass-Operation fand ebenfalls im Beisein von Justizwachebeamten statt.
ÖSTERREICH: In der Aussendung von der Justiz wurde betont, dass Ihr Mann, wenn er gesund ist, vielleicht wieder in Haft muss. Haben Sie davor Angst?
Elsner: Mein Mann wird nie wieder ganz gesund werden. Jedes Jahr in der Haft zählt doppelt oder sogar dreifach. Herz, Niere, Lunge sind schwer angegriffen. Diese Grundleiden kann er nun in den Griff bekommen, aber sie werden nicht mehr geheilt werden können – das wäre ein Wunder. Außerdem ist er 76 Jahre. Das ist nicht gerade ein Alter, wo sich der Gesundheitszustand noch verbessert.
ÖSTERREICH: Wie würden Sie die Haft rückblickend bezeichnen?
Elsner: Als reinste Folter. für ihn, aber auch für die Angehörigen. Wir wurden in den letzten fünf Jahren von der Justiz mit so vielen Psychotricks immer wieder zurückgewiesen, dass man daran fast zerbricht. Bei den unzähligen Enthaftungsanträgen wurde meinem Mann beispielsweise unterstellt, dass er sogar liegend flüchten könnte.
ÖSTERREICH: Hat Ihr Mann schon einen Spaziergang gewagt ohne einen Justizwachebeamten im Schlepptau?
Elsner: Dafür ist es noch zu früh. Er kann nur wenige Meter gehen, dann ist er schon erschöpft. Heute hat er fast nur geschlafen.
ÖSTERREICH: Wird die neue Wohnung fertig, bis Ihr Mann entlassen wird?
Elsner: Ich setzte alles daran, sonst müssen wir ins Hotel ausweichen.



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