Getrübtes Verhältnis
Hinter den Kulissen der türkis-grünen Krise
Einen fliegenden Wechsel haben sowohl SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner als auch Wiens roter Bürgermeister Michael Ludwig ausgeschlossen. Trotzdem mehren sich in letzter Zeit die Gerüchte, dass ein türkis-rotes Comeback anstehen könnte. Wie realistisch ist das? Zur Zeit wenig. Aber tatsächlich steigen die Spannungen in der türkis-grünen Koalition.
Dass das Verhältnis zwischen VP-Kanzler Sebastian Kurz und dem grünen Gesundheitsminister Rudolf Anschober bereits seit Monaten ein getrübtes ist, ist -Dementi hin oder her -freilich schon länger bekannt.
In der grünen Welt glaubt man, dass die ÖVP den Gesundheitsminister "anrennen lassen" wolle. In der türkisen Welt sieht man "die dauernden Pressekonferenzen von Rudi und sein Zaudern" als Problem. Wirkliche Konsequenzen hat dieses Match aber keine.
Heikler sind da schon die Abschiebungen von Kindern, wie es letzte Woche passierte. "Das ist für uns eine Zerreißprobe", sagt ein Grüner. In der Basis revoltiere man damit immer stärker gegen die ÖVP. Das wissen auch die Türkisen und wollen daher "sicher kein weiteres Öl ins Feuer gießen", so ein VP-Mann. Man müsse da aber "auf Linie bleiben, sonst wird die FPÖ wieder stärker". Ein Argument, das hinter den Kulissen auch pragmatischeren Grünen einleuchtet.
Türkis und Grün ohne wirkliche Alternative
Zerreißprobe? Steht die Koalition aber vor einer Zerreißprobe? Nein, denn die Grünen können es sich während einer Pandemie nicht leisten, vom Tisch aufzustehen. Das ist dort allen klar. Zudem sieht man in der grünen Welt auch die Roten - sie entschieden sich in Wien bekanntlich für die Neos und gegen die Grünen -zunehmend skeptischer. "Es ist schon eine Zweier-Koalition schwierig, aber Rot-Grün-Neos, wie es sich manche Sozialdemokraten vorstellen, wäre unpackbar", sagt ein grüner Pragmatiker.
In der ÖVP wiederum - es mehren sich zwar Stimmen in einigen Bundesländern, dass eine "große Koalition in der Krise was Gutes wäre" - will man keinesfalls wieder eine Koalition frühzeitig scheitern sehen. Und in der türkisen Stammtruppe zieht man die Grünen den Roten weiterhin vor.
Isabelle Daniel
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