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Streit spaltet Land

Hitzige Kopftuch-Debatte auf oe24.TV

Auf oe24.TV wurde am Freitag die Kopftuchdebatte hitzig weitergeführt.

Es war das Aufregerthema der Woche. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte bei einer Veranstaltung die Vermutung angestellt, dass bald „alle Frauen aus Solidarität“ Kopftuch tragen müssten, und zwar aufgrund der vorherrschenden „Islamophobie“.

Heftige Reaktionen von Gabalier bis in die USA

Zahlreiche empörte Reaktionen waren die Folge. FPÖ-Chef Strache forderte VdB zum Rücktritt auf, der Sager machte Schlagzeilen bis in die USA, wo ihn die renommierte Zeitung Washington Post aufgriff.

Jetzt meldet sich auch Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst zu Wort, die für ­uneingeschränkte Toleranz steht. Doch selbst sie sagt im ÖSTERREICH-Interview: „Wo soll man da anfangen? Es war wahnsinnig unglücklich formuliert. Get over it! Es gibt wichtigere Dinge.“

Volks-Rock’n’Roller An­dreas Gabalier zeigte Kopftuch-Solidarität auf humoristische Weise. Er drehte ein Facebook-Video, in dem er mit Kopftuch auftritt. „Dear Mr. President“, sagt er, „ich habe mir heute schon einmal ein Kopftuch aus Solidarität unseren Frauen gegenüber aufgesetzt!“

Auf oe24.TV wurde die Kopftuchdebatte hitzig fortgesetzt. Zunächst bezog Grünenchefin Eva Glawischnig eine ungewöhnlich scharfe Positionierung. Sie wollte die VdB-Aussage zwar nicht bewerten, sagte aber zum Thema Burka: „Vollverschleierung ist das Letzte, ein No-Go.“

Die Diskussion mit FPÖ-Mann Walter Rosenkranz und Islamexpertin Carla Baghajati ließ schließlich die Wogen hochgehen (s. u.).

Van der Bellen hat im ÖSTERREICH-Interview inzwischen eingestanden, dass seine Aussage „ein Fehler“ war. Es sei „entfesselt worden, was eine gewisse Empörungskultur befördert hat“.

oe24.TV: Hitzige Kopftuch-Debatte

Politiker und Muslime diskutierten im oe24.TV-Studio zum Aufreger der Woche. Die wichtigsten Passagen.

Amina Baghajati, Islamische Glaubensgemeinschaft und Kopftuchträgerin: Der Bundespräsident hat in einer pointierten Art und Weise der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten: Bitte übertreibt es nicht mit dieser aufgebauschten Kopftuchdebatte.

Susanne Winter, Wilde Abgeordnete im Nationalrat: Aus dem Kontext heraus war das im Prinzip etwas völlig Belangloses.

Walter Rosenkranz, FPÖ-Sicherheitssprecher: Es ist der Bundespräsident der ­Republik Österreich, daher kann man nicht sagen, das ist belanglos. Er hat nicht belanglos zu sein.

Amer Albayati, Islamexperte & Autor: In islamischen Ländern, wie Saudi-Arabien, heißt es jetzt, der Präsident von einem europäischen Land will, dass alle Frauen Kopftuch tragen.

Baghajati: Das war ein humorvoller, gelassener Sager unseres Bundespräsidenten.

Rosenkranz: Ich würde gerne darüber debattieren, ob die Religionsfreiheit durch das Tragen eines Kopftuches gefährdet ist oder nicht.

Baghajati: Als Frau geht mir irrsinnig auf die Nerven, dass die Männer so gescheit analysieren, warum wir ein Kopftuch tragen.

Rosenkranz: Frau Baghajati, ich lasse mich nicht zur Frau umoperieren, um mit Ihnen auf einer Stufe diskutieren zu können.

AlbayatI: Das Kopftuch ist ein Symbol des politischen Islam. Ein Kopftuchgebot im Koran gibt es nicht. In Europa brauchen wir kein Kopftuch, vergessen Sie nicht, wir leben in 2017.

Omar Al-Rawi, SPÖ-Gemeinderat in Wien: Sowohl die Muslime als auch die große Mehrheit, die nicht zu dieser Glaubensgemeinschaft gehört, konzentriert sich leider viel zu oft ein Stück Stoff. Man kann nicht sagen, als Putzfrauen sind mir Kopftuchträgerinnen immer willkommen, aber ja nicht als Ärztin, Ingenieurin oder Polizistin.

Rosenkranz: Beim Bun­desheer oder der Polizei mit einem religiösen Symbol herumzulaufen – das kann nicht funktionieren.

Baghajati: Jungen Muslimas die Karriereleiter wegen des Kopftuches zu verweigern, das ist Zynismus.

Albayati: (zieht sich ein schwarzes Tuch über den Kopf) Warum diskutiert man so viel über ein Stück Stoff?

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