Kneissl Karin

Kneissl im Interview:

'Hätte keine Zeit, Kanzler in USA zu begleiten'

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FPÖ-Außenministerin ­Karin Kneissl steht regierungsintern in der Kritik. In ÖSTERREICH wehrt sie sich.

ÖSTERREICH: Das war eine aufregende Woche für Sie, Frau ­Ministerin, selbst Rücktrittsgerüchte hat es gegeben.

Karin Kneissl: Ich habe die Artikel nicht geschrieben, die hochkamen, thematisiert ­haben das andere. Ich kann mit diesen Gerüchten nichts anfangen.

ÖSTERREICH: Es hieß auch, Sie seien innerhalb der Regierung isoliert …

Kneissl: Woher haben Sie das? Ich arbeite gerne mit Tatsachen, nicht mit Gerüchten. Wenn Sie mir eine genaue Quelle nennen können, wer das gesagt hat, dann gebe ich Ihnen vielleicht Antwort drauf. Aber ich halte mich mit derartigen Themen nicht auf.

ÖSTERREICH: Sie waren in Warschau bei der Nahostkonferenz, trafen US-Außenminister Pompeo. Worum ging es?

Kneissl: Ich habe in den vergangenen Monaten intensiv an der Ausarbeitung des strategischen Dialogs zwischen Österreich und den USA gearbeitet. Zuerst auf Ebene der ­politischen Direktoren, jetzt haben wir das ins Finale gebracht.

© Wolfgang Wolak
Kneissl Karin

Karin Kneissl über Reise zu Trump: "Selbst wenn ich die Einladung gehabt hätte, ich hätte physisch gar nicht können."

 

 

ÖSTERREICH: Ging es auch um den Besuch des Kanzlers bei ­Präsident Trump?

Kneissl: So ist es. Die Ressortleitung des Außenministeriums bereitet grundsätzlich Besuche vor, auch die anderer Regierungsmitglieder, dazu gehört natürlich, wenn der ­Regierungschef einen solch wichtigen Besuch unternimmt.

ÖSTERREICH: Sie begleiten den Kanzler aber nicht zu Trump.

Kneissl: Weltweite Praxis ist es, dass Außenminister den Staatspräsidenten begleiten, nicht den Regierungschef. Selbst Bundeskanzler Kurz hat sich darüber amüsiert, als es hieß, ich dürfe nicht mit nach Washington. Er meinte, er ­habe als Außenminister Kanzler Kern auch nicht begleitet. Wenn Sie meinen Reisekalender ansehen, hätte ich auch gar keine Zeit. Seit fünf Monaten ist eine Südasienreise geplant, nach Bangladesh, Nepal und Indien. Selbst wenn ich die Einladung gehabt hätte, ich hätte physisch gar nicht können.

ÖSTERREICH: In Warschau gab es auch Small Talk mit Israels Premier Netanjahu …

Kneissl: Premierminister ­Netanjahu ist sehr freundlich auf mich zugekommen, hat mir die Hand gegeben, und wir haben uns über gewisse Themen unterhalten. Es war eher Small Talk, es ging um meine Zeit in Israel, ein sehr freundliches Gespräch.

ÖSTERREICH: Was erstaunlich ist, schließlich gelten Sie als FPÖ-Außenministerin in Israel als „Sonderfall“.

Kneissl: Ich sehe mich nicht als Sonderfall, bin Teil der ­österreichischen Bundesregierung. So wird das auch von der israelischen Seite gesehen. Ich habe in Israel studiert, war bis kurz vor meinem Amtsantritt immer wieder Gast in ­Israel als Vortragende. Schon ­kurios, wenn man als Mensch, der sich ja nicht verändert hat, plötzlich nicht mehr in dem Umfang willkommen ist, wie ich das bis kurz davor war.

ÖSTERREICH: Wie ist Ihr Verhältnis zu Kanzler Kurz?

Kneissl: Wir haben wirklich eine gute Stimmung in der Regierung. Die inter­ministerielle Zusammen­arbeit, egal ob das jetzt ­Außenpolitik, Integration und Sicherheitspolitik ist, funktioniert.

ÖSTERREICH: Sie haben zuletzt auch Präsident Van der Bellen selten begleitet.

Kneissl: Wir waren in China, der Ukraine, Jordanien. Während des EU-Vorsitzes zwischen Juli und Dezember war es auch unmöglich, aber das war schon zuvor so vereinbart worden. Karl Wendl

 

Video zum Thema: Kneissl im kurzen Talk mit Netanyahu
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