Elke Kahr

Kommunistin verzichtet auf Gehalt

KPÖ: Kahr will jeden Monat 5.794 Euro spenden

Grazer Kommunistin Elke Kahr steht vor dem Bürgermeisterinnen-Amt.  Auf den Großteil ihres Gehalts will die 60-Jährige verzichten.

Kaum war Kahrs KPÖ als Nummer 1 in Graz festgestanden, verbreiteten sich hämische Memes im Internet. Wo gibt's denn das, eine Kommunistin als Bürgermeisterin? Und die kippt den ÖVP-Langzeit-Stadtchef Nagl aus dem Amt?

Kahr spendet 4.000 Euro. Der Aufstieg der ehemaligen Bankangestellten - ihr Job wurde wegrationalisiert - ist kein Zufall. Kahr ist seit 1993 im Gemeinderat, seit 2005 Stadträtin, ab 2017 Vizebürgermeisterin. Ihr Rezept: Für kleine Leute da sein. Kahrs Telefonnummer ist bekannt, sie vermittelt Wohnungen - und hat im Notfall Geld parat. 6.100 Euro netto würde sie verdienen - von 1.950 lebt sie, mehr als 4.000 spendet sie für Bedürftige. Monat für Monat. Wird Kahr Stadtchefin, würde sie netto 7.744 Euro verdienen - und würde dann 5.794 Euro spenden, wie sie sagt.

In den Bürgermeistersessel könnten Kahr SPÖ und Grüne verhelfen. Mit ÖVP und FPÖ hat sie noch eine Rechnung offen: 2017 nahmen sie Kahr die Wohnagenden weg und schoben ihr den ungeliebten Verkehr zu. Sie gewann trotzdem.

Mit dem Thema Kommunismus geht sie entkrampft, aber auch schlitzohrig um. Ob sie Lenin schätze? Aber ja - das sei der Kater im Volksheim. Revolutionen plant sie nicht. Menschlich und sozial solle Graz werden. Tiefrot zum Wohlfühlen also. (gü)  

Elke Kahr im Talk auf oe24.TV: »Man will mich als Bürgermeisterin«

oe24.TV: Haben Sie erwartet, Platz 1 zu erreichen?

Elke Kahr: Es war völlig überraschend, ich hab es nicht erwartet, wir hatten gehofft, unsere beiden Stadtratssitze zu halten.

oe24.TV : Was war ausschlaggebend?

Kahr: Ein Wahlerfolg kommt nicht von heut auf morgen. Das ist jahrzehntelange Arbeit. Es ist auch mein persönlicher Einsatz, es ist mir einfach wichtig, für die Leute da zu sein.

oe24.TV : KPÖ ist die Kommunistische Partei - sehen Sie sich als Kommunistin?

Kahr: Ich bin Mitglied dieser Partei, ich bin mit 17 Jahren beigetreten und habe das bewusst gemacht.

oe24.TV : Sie sind also Kommunistin?

Kahr: Das ist man, wenn man in der KPÖ ist.

oe24.TV : Viele Wähler sehen Sie nicht als Kommunistin, die haben Sie wegen Ihrer Bürgernähe gewählt. Muss wer Angst vor Ihnen haben?

Kahr: Die Menschen schätzen ihre KPÖ, aber vor allem die Personen. Aber nicht, weil wir das Etikett "Kommunisten" haben. Man muss jeden Tag beweisen, dass man da ist für die Leute. Wir sind ganz normale Menschen -das sehen die Leute eben.

oe24.TV : Sie wollen Bürgermeisterin werden -wer soll Sie wählen?

Kahr: Die Menschen wollen das, die möchten mich als Bürgermeisterin sehen. Welche Mehrheiten sich ausgehen, das sehen wir noch.

oe24.TV  Ist Lenin eigentlich Ihr Vorbild?

Kahr: Lenin, so heißt ja unser Kater im Volkshaus. Den mag ich gern.

oe24.TV: Im Ernst: Sehen Sie Lenin positiv?

Kahr: Jeder, der mich kennt, weiß: Ich bin ein 68er-Kind und nicht autoritätsgläubig. Menschen, die ich bewundere und schätze, gibt es Tausende. Da brauche ich keine Klassiker.  



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