Johann Tschürtz

politik

Massen-Rücktritt bei FPÖ im Burgenland

Gleich mehrere Mitglieder traten auf einmal in Neusiedl am See zurück. Einer der Gründe ist die Einstellung gegenüber Ausländern.

In Neusiedl am See gehen die Wogen hoch. Gleich sechs Mitglieder der FPÖ Ortsgruppe traten zurück – darunter auch die amtierende Gemeinderätin Maria Nakovits.

„Nach knapp 2 Jahren ziehe ich die Konsequenzen, lege meine Funktion als Geschäftsführende Stadtparteiobfrau nieder und trete aus der FPÖ aus. Mein Mandat als Gemeinderätin werde ich parteifrei weiterhin ausüben. Zeitgleich haben sich weitere Mitglieder der FPÖ Neusiedl dazu entschlossen, aus der Partei auszutreten“, erklärt sie.

Die Hauptgründe für den Massen-Rücktritt sind unter anderem die Differenzen zur Landespartei, wie Nakovits erzählt. „Nach zwei Jahren musste ich feststellen, dass meine klare Linie nicht parteikompatibel ist. Beispiel Ausländer: Weil uns beim 1.-Mai-Bürgerfest freiwillig (!) ein Asylwerber geholfen hat, wurde mir zugetragen, dass dieser Umstand für Irritation bis in die höchste Landesparteispitze gesorgt hat. Sowas passt ja nicht zur FPÖ, musste ich mir sagen lassen. Außerdem wurde unser Kooperationspartner Schnitzelhaus Neusiedl brüskiert, indem man im Präsidium Verwunderung darüber zeigte, dass man mit ‚denen kooperiert, weil diese ausländische Wurzeln haben‘“, so die Gemeinderätin.

© Nakovits
Nakovits Maria

Maria Nakovits hat genug von der FPÖ. Sie tritt zurück und rechnet gnadenlos ab.

"Politiker auf Landesebene sind völlig überbezahlt"

Aber nicht nur das Gedankengut war ein Auslöser für die Rücktrittswelle. Auch die Arbeitsleistung der einzelnen Politiker auf Landesebene reichte Nakovits. „Meine klare Erkenntnis nach zwei Jahren Parteizugehörigkeit und Einblick in den politischen Alltag lautet: Politiker auf Landesebene sind vollkommen überbezahlt! Der Mangel an Sachkompetenz, strategischem Denkvermögen und Gestaltungskraft steht in einem krassen Widerspruch zu den Megagagen, die mit Steuergeld bezahlt werden“, sagt sie.

Musste Wahlkampf mit privatem Geld finanzieren

Zudem hatte sich die Ex-FP-Politikerin eine andere Herangehensweise im Bereich der Bürgerarbeit und auch im Zukunftsdenken vorgestellt. „Ich wurde mit vielen Versprechungen und Unterstützungszusagen ins Rennen geschickt und musste bereits nach einigen Wochen erkennen, dass es sich dabei leider nur um „heiße Luft“ gehandelt hat.“, so Nakovits. Sogar den Gemeinderatswahlkampf musste sie mit privatem Geld finanzieren.

Ihre Abrechnung mit den Freiheitlichen im Burgenland ist gnadenlos. „Man kann sagen, die FPÖ ist genau das, was die Parteileitung seit Ewigkeiten an SPÖ und ÖVP kritisiert: eine System- und Funktionärspartei klassischen Zuschnitts. Um mit einem abgewandelten Zitat zu enden: Es war NICHT schön, es hat mich NICHT gefreut“.