Politik

Mega-Sporttag wird die Graz-Wahl entscheiden

Die Grazer Rathaus-Koalition hat die Gemeinderatswahl just an jenem Tag angesetzt, an dem die zwei wichtigsten Sportentscheidungen des Jahres stattfinden. 

Eigentlich war ja zu erwarten gewesen, dass Graz - wie 2021 - erst im Herbst wählt. Doch KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr nutzte den Spielraum, den ihr das Stadtstatut bietet, und verkündete im Februar den Wahltermin, und der ist eben der 28. Juni 2026. Begründung der Stadtchefin: Die Sommermonate könnten so für die Vorbereitung der neuen Periode genutzt werden, und die Stadtregierung nach dem Sommer direkt arbeitsfähig sein, was insbesondere für die Budgeterstellung von Vorteil sei.

Arnautovic
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Was im Februar noch niemand im Fokus hatte: Just am 28. könnte unser Fußball-Team in Kansas City gegen Algerien den Aufstieg in die KO-Runde fixieren. Das Match startet einigermaßen unchristlich um 4 Uhr früh. Und als ob das an sportlichen Elementarereignissen nicht genug ist, geht es im steirischen Spielberg ab 15 Uhr um WM-Punkte in der Formel 1: Max Verstappen und Co drücken im Rahmen des Österreich-Grand-Prix ordentlich aufs Gas.

Verstappen
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Die Vermutung, dass eher Fans von ÖVP und vor allem FPÖ durch die beiden sportlichen Elementarereignisse vom Wählen abgehalten werden könnten als KPÖ- und Grünen-Wähler und dass dies der eigentliche Grund des Juni-Termins ist, wird im Rathaus zurückgewiesen, der Bürgermeisterin seien die beiden Ereignisse gar nicht bewusst gewesen. Außerdem gebe es Wahlkarten, zudem seien die Wahllokale von 7 bis 16 Uhr geöffnet - zur Stimmabgabe gebe es also genug Gelegenheit.

Kahr nutzt Machtvakuum

Polit-Insider sehen indes andere Motive: Die auf Landesebene strauchelnde ÖVP sei gerade nicht gut aufgestellt und in Graz kriselt es auch massiv bei der FPÖ, trotz des blauen Landeshauptmanns. Kahr habe dieses Momentum einfach nutzen wollen. Dass Wählerinnen und Wähler rechts der Mitte eventuell zwischen Fußball und Formel 1 hin- und hergerissen sein könnten, nehme man als Kollateralnutzen gerne mit.

Umfragen sagen Kahr ohnehin einen Wahlsieg voraus, die einzige kommunistische Stadtchefin des Landes könnte ihr Wahlergebnis von 2021 noch toppen und sogar über 30 % steigen. Knapp unter der 20-%-Marke matchen sich ÖVP, FPÖ und Grüne um Platz 2.

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