Justizminister Moser

Kanzler schaltet sich ein

Mosers Krankheit als Regierungskrise

Schwer erkrankt, erklärte der Justizminister dem Kanzler, dass er bleiben wolle.

Wien. Der Bundeskanzler hatte bereits via China immer wieder mit seinem erkrankten Justizminister in Wien kommuniziert. Gestern, nachdem Sebastian Kurz knapp nach 9 Uhr in Wien gelandet war, hat er Josef Moser umgehend SMS geschickt. Der Kanzler will seinen Justizminister aufbauen und hat im kleinen ÖVP-Kreis klar gemacht, dass er ihn als Minister halten wolle. Trotzdem ist die Dramatik in der türkisen Welt groß.

ÖSTERREICH hatte immerhin aufgedeckt, dass Josef Moser in einer Budgetausschusssitzung aufgrund fehlender Mittel für sein ­Justizressort am Dienstagnachmittag mit Rücktritt gedroht hatte. Wenige Stunden nach der hitzigen Sitzung versagte sein Kreislauf. Der gebürtige Kärntner wurde mit der Rettung ins AKH gebracht.

Dort wurde eine Sepsis diagnostiziert und umgehend mit einer intravenösen Antibiotikatherapie begonnen.

 

Kurz vermittelte zwischen Löger und Moser

Während der 62-jährige Ex-Rechnungshofpräsident im Spital intensivst betreut wird, telefoniert Kurz mit ihm und Finanzminister Hartwig Löger, um einen Kompromiss im Budgetstreit zu erzielen. Wie berichtet, kann Moser Rücklagen auflösen, um etwa Richterposten zu finanzieren.
 

Hohes Fieber, aber "er ­erholt sich gut"

Am Donnerstag soll Moser allerdings noch 39 Grad Fieber gehabt haben. Laut seiner Sprecherin „erholt er sich gut und wird kommende Woche wieder arbeiten“.
In einigen Parteien kursierten gestern Gerüchte, wonach Moser doch zurücktreten könnte. Das wird von sämtlichen Seiten in der ÖVP derzeit aber dementiert. Gleichzeitig beäugen die Türkisen nun aber die FPÖ (siehe rechts) im Drama um Moser ganz genau. Der Justizminister war schließlich jahrelang FPÖ-Klubdirektor und sein Wechsel zur ÖVP wurde von den Blauen nicht gerade goutiert …
 

Justizminister unter Druck von FPÖ und ÖVP

Mit VP-Finanzminister Hartwig Löger hat er wochenlang um sein Budget gekämpft. Die meisten Landeshauptleute sehen Josef Moser ebenfalls skeptisch. Und die meisten Kritiker hat er in jener Partei, für die er jahrelang tätig war: in der FPÖ. Sein Überlaufen zur ÖVP verzeihen ihm viele Blaue nicht.
 
Intrigen. Kein Wunder, dass einige in der ÖVP mutmaßen, dass „gezielte Indiskretionen“ – die Rücktrittsdrohung von Moser sowie lancierte Gerüchte über „Komplikationen“ bei der Behandlung seiner Sepsis – von der FPÖ „gestreut würden, um von den Problemen mit ihrer Sozialministerin Beate Har­tinger abzulenken“.

Konflikte. Moser will, so zumindest die offizielle Auskunft der ÖVP, kommende Woche wieder seine Arbeit als Justizminister aufnehmen. Insider rechnen freilich damit, dass die Konflikte zwischen Teilen der ÖVP, der FPÖ und Moser weitergehen werden. Als potenzielle Nachfolger von Moser werden bereits VP-Staatssekretärin Karoline Edtstadler und Justizressort-Generalsekretär Christian Pilnacek genannt.


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