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Letzte grüne Ikone tritt ab

Nach Aus für Vassilakou: Wien vor Neuwahl?

Nach neun Jahren an der 
Spitze zieht sich die Frau, die niemanden kaltließ, zurück.

Es ist ein bewegender Abschied. Maria Vassilakou erzählt, wie sie vor genau 32 Jahren, „ratlos mit einem Koffer“ am Wiener Südbahnhof stand, wie sie in den Grünen ihre ­Familie fand und schließlich „die Ehre“ hatte, an der Spitze der „besten Stadt der Welt“ arbeiten zu dürfen. Wie sie ihre Leuchtturm-Projekte von der Mariahilfer Straße neu bis zum 365-Euro-Ticket realisieren durfte.

Jetzt, kurz vor ihrem 50. Geburtstag, trete sie nach neun Jahren aus der ersten Reihe zurück. Maria Vassilakou wird nicht mehr für den Vorsitz der Wiener Grünen kandidieren und spätestens Mitte 2019 auch als Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin gehen.

Schon bald Neuwahl?

Obwohl der Rückzug schon lange in der Luft lag und spätestens seit der Ankündigung ihres politischen „Ziehsohns“ Peter Kraus, als Grünen-Chef zu kandidieren, ­bedeutet er einen Paukenschlag. Nicht nur für die österreichischen Grünen, die schon wieder eine profilierte Persönlichkeit verlieren, sondern vor allem für Wien. Denn vieles deutet darauf hin, dass in der Bundeshauptstadt schon bald gewählt wird, möglicherweise noch in diesem Jahr.

Video zum Thema: Maria Vassilakou verzichtet auf Spitzenkanditatur
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Entscheidung über neue grüne Nr. 1 im November

Das hängt natürlich auch von Vassilakous Nachfolger(in) ab. Die Bewerbungsfrist läuft morgen, Dienstag, ab. Bis jetzt gibt es zwei Kandidaten: Eben Peter Kraus, Vassilakous Ex-Büroleiter, und der linke Fundi David Ellensohn. Aber es kann auch jemand anderer werden. Beim seltsamen grünen Wahlmodus – mitwählen dürfen alle, die sich für 15 Euro registrieren lassen und bei keiner anderen Partei Mitglied sind – ist vieles möglich. Die Entscheidung fällt im November.

Gut möglich, dass es bis dahin die rot-grüne Stadtregierung gar nicht mehr gibt. Die Chefs der Gemeindeopposition, Gernot Blümel (ÖVP) und Johann Gudenus (FPÖ), forderten jedenfalls bereits umgehend Neuwahlen. Die SPÖ hat sich noch nicht fix entschieden.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Grün-Fundi David Ellensohn kandidiert als Nachfolger.

© Ines Bacher

Aber auch Vassilakou-Mann Peter Kraus geht ins Rennen.

Vassilakou im Original: Zitate zum Abschied

  • „Ich stand mit meinem Koffer etwas verloren am Südbahnhof.“ Über ihre Ankunft in Wien am 4. September 1986.
  • „Solidarität, Freiheit und Demokratie waren immer mein Kompass.“ Über ihre Wertvorstellungen.
  • „Ich bin glücklich und dankbar für das Privileg, acht Jahre an der Spitze der lebenswertesten Stadt der Welt gearbeitet zu haben.“ Über ihre Amtszeit.
  • „Es waren 25 wunder­bare, erfüllte Jahre.“ Über ihr Leben in der Politik.
  • „Das ist wohl oder übel für uns alle ein Zeitpunkt, an dem man Bilanz zieht.“ Über ihren 50. Geburtstag im Februar 2019.
  • „Der Vorschlag einer ­Citymaut war mein Ernst.“ Über ihre Aufreger-Idee.

Wagst Ludwig den Absprung?

Der Ball liegt jetzt bei Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Der Papierform nach ist alles klar: Wird der pragmatische Peter Kraus Vassilakous Nachfolger, könnte es mit Rot-Grün weitergehen. Kommt der links-orthodoxe David Ellensohn und macht Opposition in der Regierung, ist der Koalitionsbruch unausweichlich. Es gibt in der SPÖ aber auch viele, die in jedem Fall in Neuwahlen gehen wollen. Ihr Argument: Je länger Ludwig in der durch die Grünen ramponierten Stadtregierung bleibt, desto beschädigter wird seine an sich gute Performance.

Bürgermeister Ludwig könnte mit der Parole „Mein Plan für Wien, ich bitte um Ihr Vertrauen“ in sofortige Neuwahlen gehen. Vorlaufzeit wären drei Monate. Springt er gleich, könnte es sich sogar noch vor Weihnachten ausgehen. Vorteil: Er würde nicht nur die führerlosen Grünen, sondern auch ÖVP mit Minister Blümel und FPÖ mit Vizekanzler Strache kalt und unvorbereitet erwischen.

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