VP-Chef Spindelegger über den Schüssel-Rücktritt und die „Konsequenzen“.
ÖSTERREICH: Ex-Kanzler Schüssel hat nun seinen Rücktritt verkündet. Erleichtert?
Michael Spindelegger: Mit Wolfgang Schüssel geht ein Staatsmann der nicht auf den nächsten Wahltermin schielte, sondern durch seinen Willen und seine Überzeugungskraft viele Reformen in Österreich umgesetzt hat. Er hat das Budget saniert mit teils schmerzlichen Maßnahmen. Noch heute ist sein Rat gefragt.
ÖSTERREICH: Können Sie jetzt die Affären – Buwog, Telekom, Eurofighter – besser von der VP abwenden?
Spindelegger: Lassen wir die Justiz in Ruhe arbeiten. In keinem der genannten Fälle war ein ÖVP-Politiker involviert. Bislang gibt es auch keinen begründeten Verdacht gegen VP-Politiker. Diese Frage sollten sie besser anderen stellen.
ÖSTERREICH: Und falls doch VP-Mitglieder involviert wären?
Spindelegger: So wie jeder Parteichef in diesem Land würde ich sofort Konsequenzen ziehen. Ich bin ein mittelständischer Politiker. Mir sind solche Machenschaften zuwider. Das zieht die Politik als Ganzes nach unten. Das Image der Politik leidet. Die Menschen verlieren das Vertrauen, das ist traurig. Wir forcieren im Herbst die Umsetzung des Lobbyistenregisters sowie das Gesetz zur Offenlegung von Inseraten. Ich sehe da noch viel Spielraum für Transparenz und mehr Klarheit.
Schüssels Rücktritt in Bildern
Hier tritt Schüssel zurück
© APA/ROBERT JAEGER
Hier tritt Schüssel zurück
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Hier tritt Schüssel zurück
© TZ ÖSTERREICH / BRUNA
So reagieren die Parteien
Michael Spindelegger, ÖVPTiefen Respekt" zollt ÖVP-Bundesparteiobmann Vizekanzler Michael Spindelegger Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für seine Entscheidung, sein Nationalratsmandat zurückzulegen. "Ich respektiere den konsequenten Schritt von Wolfgang Schüssel. Die ÖVP und Österreich sind ihm zu großem Dank verpflichtet, haben doch viele jener Reformen, die Wolfgang Schüssel - teils gegen heftige Widerstände - mutig durchsetzte, Österreich nachhaltig modernisiert und wettbewerbsfähiger gemacht. Essentielle Reformen, die unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel durchgeführt und eingeleitet wurden, haben auch entscheidend dazu beigetragen, uns jenen Spielraum zu geben, den wir brauchten, um die gegenwärtige Krise zu meistern", so Spindelegger, und abschließend: "Reformen durchzusetzen, das benötigt einiges an Mut. Mut, den uns Wolfgang Schüssel vorgelebt hat".
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Günther Kräuter, SPÖDie SPÖ rechnet damit, Wolfgang Schüssel nach seinem Abgang aus der Politik als Zeuge in einem Untersuchungsausschuss zur Ära Schüssel/Grasser wieder zu treffen. Das erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter am Montag in einer Aussendung. "Eine endgültige Beurteilung der persönlichen Integrität Schüssel wird maßgeblich von den Erkenntnissen der Untersuchung der politischen Verantwortung für die Skandale von Eurofighter über BUWOG bis Telekom abhängen", so Kräuter.
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Eva Glawischnig, GrüneAus Sicht der Grünen ist das angekündigte Zurücklegen des Mandates durch Wolfgang Schüssel ein "längst überfälliger, aber nur erster Schritt". Bundessprecherin Eva Glawischnig erklärte am Montag: "Die politische Verantwortung unter schwarz-blau kann er nicht ablegen. Vorwürfe insbesondere gegen Karl-Heinz Grasser (Ex-Finanzminister, Anm.) gab es ja schon sehr früh und hier hat er über Jahre hinweg weg geschaut." Wichtig sei nun, dass die ÖVP ihre "Blockadehaltung" aufgebe und eine schonungslose Aufklärung ermögliche, so die Grünen-Chefin.
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