ORF-Ikone Gerd Bacher ist tot

Mit 89 Jahren

ORF-Ikone Gerd Bacher ist tot

Mr. ORF ist tot. Medien-Legende Gerd Bacher starb vor seinem 90. Geburtstag.

Seinen Spitznamen „Tiger“ trug er nicht ohne Grund. Er konnte seine Krallen ausfahren, war der beste Formulierer des Landes: Gerd Bacher, legendärer Generalintendant des ORF, ist am Samstag an einem Schlaganfall im 90. Lebensjahr in Salzburg gestorben.

VIDEO: Gerd Bacher über sich und sein Lebenswerk

Bacher war der Mr. ORF. Er startete seine Journalistenkarriere nach dem Krieg in Salzburg. Als Folge des Rundfunkvolksbegehrens befreite er den ORF aus der Umklammerung der Parteien: Von 1967 bis 1994 war er 20 Jahre lang ORF-Chef: Immer wieder wurde er abgesetzt – er kehrte stets zurück: Bacher amtierte fünf Perioden und sagte: „‚They never come back‘ hat bei mir nicht gestimmt.“ Nach seiner unerwarteten Wiederwahl 1978 titelte eine Zeitung lakonisch: „Kreisky in Paris, Benya in Sofia, Bacher im ORF“.

Er nannte sich "Obmann einer Ein-Mann-Partei"

Die Herrschenden, die wollten ihn nicht: Mit Bruno Kreisky etwa verband ihn mehr Hass als Liebe. „Ich bin Obmann einer Ein-Mann-Partei mit Aufnahmesperre“, beschrieb er sich selbst.

Diashow: Gerd Bacher (1925-2015)

Gerd Bacher (1925-2015)

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    Bacher machte den ORF ab 1967 europareif – und nahm zwischen 1990 und 1994 den Kampf mit den Privatsendern auf: „Mir ist das elek­tronische Hochland von Tibet lieber als das Tiefland von Luxemburg“, ätzte er damals in Richtung RTL.

    Bacher: "Ich bin ja kein 
Beliebtheitsmannequin"
    Rudi Klausnitzer war ein enger Mitarbeiter Bachers. Er schildert eine typische Bacher-Anekdote: „Als ich ihn bei einer Entscheidung darauf hinwies, dass dies medial nicht so gut rüberkommt, meinte er: ,Mag schon sein, aber wir sind nicht als Beliebtheitsmannequins engagiert.‘“

    1994 trat Bacher in den Ruhestand – Ruhe gab er nie. So kritisierte er den ORF einmal als „Kind, das seine Talente verloren hat“. Unvergessen sein Auftritt bei seiner Ehrung zur „Journalist des Jahres-Wahl“ 2008. Verschmitzt sagte er in Richtung der Laudatoren: „Ich höre gerne, was ihr sagt – glauben tu ich es nicht.“

    (gü)

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