Parlament ehrt Andreas Khol zum 70er

Festakt

Parlament ehrt Andreas Khol zum 70er

Der langjährige VP-Spitzenpolitiker bekam eine eigene Rosenart geschenkt.

Andreas Khol, Spitzenpolitiker langjähriger der ÖVP und seit einigen Jahren Obmann des Seniorenbundes, feiert in Kürze seinen 70. Geburtstag. Dieser wurde Dienstagabend im Parlament im Voraus mit einem Festakt gefeiert, zu den Gratulanten gehörten Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S), Bundespräsident Heinz Fischer und Vizekanzler sowie ÖVP-Chef Michael Spindelegger. Eines von mehreren Geschenken für den Rosenliebhaber: Eine eigene Rosenart, die "Andreas Khol-Rose". Der Jubilar will zwar in der Öffentlichkeit keine ungefragten Ratschläge erteilen, fand aber trotzdem auch kritische Worte in seiner Rede.

Dankbarkeit
Er sei "kein großer Freund" von Festen, erklärte Khol. Vieles sei gelöst, am Mittwoch hoffentlich auch das letzte, was aus der Nachkriegszeit übrig geblieben sei - der Ortstafelstreit. Gegenüber der Republik empfinde er ein "großes Gefühl der Dankbarkeit". Seine Schwester und er seien 1947 von Carabinieri an die Grenze gestellt worden und unbegleitet über die Brennergrenze gegangen, Österreich habe sie großzügig aufgenommen. Er habe Lebenschancen bekommen, die er sich nie habe träumen lassen.

Arbeit für Senioren
Nach seinem Ausscheiden aus dem Nationalrat habe er in der Arbeit für Senioren ein "geistiges Rettungsboot" gefunden. Außerhalb der Seniorenpolitik werde er in der Öffentlichkeit keine ungefragten Ratschläge erteilen, so Khol. Die "Balkonmuppets" seien ein "Schreckbild" und er wolle das nicht sein.

"Sorgen um die Zukunft"
Allerdings: Ein "aufmerksamer Beobachter" müsse sich "Sorgen machen" um die Zukunft der parlamentarischen Demokratie, denn diese gerate "von mehreren Seiten" unter Druck. So glaubten bei der direkten Demokratie manche, dass sie nichts mehr selbst entscheiden und verantworten müssten. Andererseits gebe es auch Regierungsgesetzgebung über das Parlament hinweg. Er kritisiere das nicht, aber man müsse über Sicherheitsvorkehrungen und Mitwirkungsrechte diskutieren, damit das Hohe Haus Ort der Entscheidung bleibe.

Auch das Verhältnis von Regierungsparteien und Opposition gehe ihm zu "schablonenhaft", erklärte Khol im Zusammenhang mit dem gegenseitigen Bewerten von Vorschlägen. Politik und Politiker seien außerdem mit einem großen Vertrauensverlust konfrontiert. Die Lage der Republik sei aber wesentlich besser als die Stimmung in den Medien und in der Öffentlichkeit und die Spirale werde sich auch wieder nach oben drehen. Die jetzige Politikergeneration sei aufgefordert - und er habe volles Vertrauen in sie - das, was übergeben wurde, zu sichern - nämlich Demokratie und parlamentarische Arbeit, meinte Khol.

Lobende Worte
Spindelegger würdigte Khol als heimatverbundenen Tiroler, Jurist "erster Güte", Vordenker und Wegbereiter in vielerlei Hinsicht. Auch hob er Khol als Familienmenschen und Christen, der auch in der Volkspartei immer "dieses hohe C" besonders betont habe, hervor. Der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (V) betonte u.a. Khols Verdienste für Südtirol. VP-Klubobmann Karlheinz Kopf erinnerte sich an Khols Zeit als Klubobmann, wo er Strenge und Menschlichkeit verbunden habe.

Prammer verwies darauf, dass Khol Tiroler Abgeordneter "mit Leib und Seele" und immer auf der europäischen Ebene aktiv gewesen sei. Auch als Vorsitzenden des Nationalfonds habe sie ihn besonders engagiert erlebt, als Nationalratspräsident habe er die Öffnung des Hauses fortgesetzt.

"Optimist"
Er habe Khol als einen "durch nichts zu erschütternden Optimisten" kennengelernt, erzählte Bernhard Vogel, ehemals Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Die guten Ideen seien Khol bis heute nicht ausgegangen. Khol habe sich als Politiker erwiesen, der nicht nur Reden halten könne, sondern der nachdenke, lese, schreibe und handle.

Dem Geburtstagskind die Ehre erwiesen hat nicht nur fast das gesamte ÖVP-Regierungsteam, gesichtet wurden u.a. auch Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (V), mehrere ehemalige VP-Minister unter schwarz-blau sowie Khols "Lehrer und Förderer" Alois Mock, früherer Vizekanzler. Aus schwarz-blauen Zeiten ebenfalls anwesend waren Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner und Ex-Klubchef Peter Westenthaler (heute beide BZÖ).

Opposition anwesend
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Grünen-Urgestein Alexander Van der Bellen waren auch gekommen, ebenso wie SPÖ-Klubobmann Josef Cap, Rechnungshof-Präsident Josef Moser, SPÖ-Seniorenvertreter Karl Blecha, Bundesratspräsidentin Susanne Neuwirth und Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Gefehlt hat auch Khols Familie samt Enkelkindern nicht.

Khol wurde am 14. Juli 1941 im deutschen Bergen geboren, aufgewachsen ist er in Südtirol, ab dem Gymnasium lebte er in Innsbruck. Der Verfassungsrechtler war von 1983 bis 2006 Nationalratsabgeordneter. Von 1994 bis 2002 diente er als ÖVP-Klubobmann. Präsident des Nationalrats war Khol von 2002 bis 2006. Seit 2005 steht Khol dem Seniorenbund als Bundesobmann vor.

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