Auf dem Weg ins Kanzleramt? Im oe24-Talk diskutiert FPÖ-Chef Herbert Kickl mit Ex-SPÖ-Manager Josef Kalina, ÖVP-Berater Wolfgang Rosam und Ex-FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler bei Isabelle Daniel.
70 Jahre FPÖ - hat sich die FPÖ verändert? Was bleibt von Jörg Haider? Und was will Herbert Kickl wirklich? Darüber diskutierte eine hochkarätige Runde im oe24.TV-Talk FPÖ-Chef Herbert Kickl, ÖVP-Berater Wolfgang Rosam, Ex-SPÖ-Manager Josef Kalina und Ex-FPÖ/BZÖ-Klubchef Peter Westenthaler mit Politik-Chefredakteurin Isabelle Daniel.
Lesen Sie hier die besten Passagen des Talks:
Oe24: 70 Jahre FPÖ. Es ist eine Geschichte der Polarisierung, mit Höhenflügen und Abspaltungen. Und einer FPÖ, die jetzt in allen Umfragen auf Platz 1 liegt. Herr Kickl, wie hat sich die FPÖ verändert?
Herbert Kickl: Das ist eine sehr, sehr komplexe Frage, was die Wesensänderung betrifft. Nun ja, ich möchte sagen, es sind eigentlich weniger die Inhalte, die sich geändert haben. Weil da dreht sich in der Freiheitlichen Partei von Beginn an eigentlich alles um drei Komponenten: die nationale, ich würde dazu sagen, die patriotische Komponente. Dann haben wir die liberale Komponente. Und dann haben wir als dritte die soziale Komponente. Ich unterscheide die Geschichte der FPÖ in zwei Phasen: der Zeit vor Jörg Haider und mit Haider. Mit ihm ist die FPÖ zur Massenpartei geworden.
Oe24: Warum polarisiert die FPÖ derart?
Peter Westenthaler: Weil sie über eine lange Zeit in dieser Periode, in diesen 70 Jahren, eben über die meiste Zeit in Opposition waren, da gehört das einfach zum Tagesgeschäft dazu. Die FPÖ war unter Norbert Steger in den 1980ern eine ziemlich unattraktive Geschichte. Dann kam der Jörg Haider, ein Jungpolitiker der neuen Art, ein Politrebell mit blauem Pullover und damals noch einer Pfeife im Mund. Jede Wahl damals gewonnen mit teils Verdreifachung und am Ende 1999 dann zweitstärkste Partei mit über 26%. Wenn es die FPÖ nicht gegeben hätte, wäre es jetzt ziemlich langweilig in dieser Republik geworden.
Oe24: Herr Rosam, die FPÖ punktet auf Kosten der ÖVP, wieso?
Wolfgang Rosam: Mittlerweile ist die FPÖ eine All-in-Partei geworden und wahrscheinlich ein Sammelbecken für ganz viele, die mit ihrer Partei nicht zufrieden sind. Am Ende seines Lebens wollte Jörg Haider zusammenführen, und zwar ein in die Zukunft ausgerichteter Politiker, das vermisse ich bei Herbert Kickl. Diese Phase der Konstruktivität.
Kickl: Aus meiner Sicht kann man als Demokrat keine konstruktivere Politik machen, als sich auf die Seite der Bevölkerung zu stellen. Es ist doch typisch: Sobald sich jemand von der FPÖ verabschiedet, so wie Jörg Haider mit dem BZÖ getan hat, wird er zum Best Buddy von allen in dieser Republik. In dem Moment wird er mit Komplimenten überhäuft, dann ist er der Konstruktivste, dann ist er der großartigste Staatsmann, dann ist er ein Vernünftiger und alle anderen sind dann die Bösen, die Zerstörer, die negativen Kräfte. Als Freiheitlicher wirst du gelobt, wenn du gegen die eigene Familie auftrittst oder wenn du tot bist. Beides habe ich jetzt nicht vor.
Oe24: Herr Kalina, war das Nein der SPÖ zur FPÖ ein Fehler?
Josef Kalina: Ich war immer dafür, mit der FPÖ im Gespräch zu bleiben. Aber das, was Herbert Kickl hier sagt, zeigt, dass er gar nicht regieren will. Sie hatten die Chance, Herr Kickl, und haben die Verantwortung gescheut, weil Sie gewusst haben, dass Österreich ein Sparpaket braucht.
Kickl: Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass diese Politikberater, die da in Österreich herum sind, und Sie sind ja einer davon, dass die irgendwo in der Zeitschleife hängen geblieben sind. Sie argumentieren genau gleich wie vor 20 Jahren und haben überhaupt nicht gemerkt, dass sich da einiges herum geändert hat.
Oe24: Aber Herbert Kickl, ich habe noch eine Frage. (23:08) Wollen Sie überhaupt Kanzler werden?
Kickl: Natürlich will ich das. Das Kanzlersein ist aber nicht das Wichtigste, der Systemwechsel ist wichtiger. Das ist der große Anspruch. Weil more of the same, das ist das, was dieses Land nicht weiterbringen wird. Im Gegenteil, da werden wir gegen die Wand fahren. (23:26) Und das ist der entscheidende Unterschied.