Während die FPÖ zwar leicht verliert, ihre dominante Spitzenposition aber behält, verbucht die Kanzlerpartei ÖVP in der aktuellen oe24-Umfrage einen deutlichen Sprung nach vorne.
Diese Rede hat zwar keine Berge versetzt - ein bisschen Bewegung hat sie in die festgefahrene Politik-Landschaft aber allemal gebracht: In der brandaktuellen Umfrage der Lazarsfeld Gesellschaft für oe24 (2.000 Befragte vom 26. 1. bis 3. 2., max. Schwankung 2,2 %) kann die ÖVP nach der Rede von Kanzler Christian Stocker beim Neujahrstreffen der ÖVP ordentlich zulegen. Allerdings: Der Weg zurück zur Nummer eins ist nach wie vor ein langer.
Mit 35 % bleibt die FPÖ zwar unangefochten an der Spitze, verzeichnet jedoch ein leichtes Minus von einem Prozentpunkt. Die eigentliche Überraschung findet sich auf Platz zwei: Die ÖVP klettert mit einem Plus von vier Prozentpunkten auf 24 %. Dieser signifikante Zuwachs fällt zeitlich mit dem medialen Nachhall des politischen Neujahrsauftakts in der Wiener Metastadt zusammen.
Wirbel um Wehrpflicht
Besonders viel Staub hatte Stockers Ankündigung aufgewirbelt, die Bevölkerung über eine Verlängerung der Wehrpflicht entscheiden zu lassen. Mit der Forderung nach einer Ausweitung des Grundwehrdienstes auf acht Monate (plus Milizübungen) besetzt der Kanzler ein klassisches ÖVP-Kernthema: die Landesverteidigung. Die Forderung nach einer Volksabstimmung scheint positiv aufgenommen worden zu sein.
Bei den anderen Parteien herrscht Katerstimmung vor:
Die SPÖ mit Andreas Babler kommt trotz Regierungsbeteiligung (in der aktuellen Koalition mit ÖVP und Neos) nicht vom Fleck. Die Positionierung zwischen linkem Flügel und Realpolitik scheint das Wählerpotenzial zu deckeln: nur 18 %.
Die Liberalen bleiben stabil, liegen aber mit 8 % ebenfalls unter ihrem Wahlergebnis.
Die Grünen rutschen wieder unter die psychologisch wichtige 10-Prozent-Marke. Der Fokus auf Klimathemen scheint in Zeiten von wirtschaftlichen Sorgen und Sicherheitsdebatten weniger stark zu verfangen.
Kickl legt bei Kanzlerfrage zu
So sehr sich Stocker über ein positives Abschneiden in der Sonntagsfrage freuen kann, in der Kanzlerfrage sieht die Sache anders aus: 14 % (-1) würden den ÖVP-Chef derzeit direkt ins Kanzleramt am Wiener Ballhausplatz wählen - FPÖ-Chef Herbert Kickl kommt indes auf 32 %, (+1) also auf mehr als das Doppelte.