Plagiats-Jäger prüfen EU-Kommissar Hahn

Affäre um EU-Politiker

Plagiats-Jäger prüfen EU-Kommissar Hahn

Plagiatsvorwürfe: Uni Wien nimmt die Causa ernst - neue Initiative gegründet.

Nach dem ÖSTERREICH-Bericht über die neuen Plagiatsvorwürfe gegen EU-Kommissar Johannes Hahn geht es jetzt Schlag auf Schlag: Die Universität Wien, an der Hahn 1987 promoviert hatte (Titel der Dissertation: „Perspektiven der Philosophie heute) nimmt die Vorwürfe ernst.

Dr. Brigitte Kopp, Studienpräses der Uni Wien, sagt im ÖSTERREICH-Gespräch: „Wir sind sehr hellhörig und verfolgen die Diskussion um die Arbeit von Johannes Hahn. Die Dissertation ist gerade ausgeliehen, aber ich werde mir die Arbeit persönlich noch einmal anschauen.“ Kopp: „Falls es in dieser Causa Anzeigen gibt, wird die Uni eine Prüfung einleiten.“

Bereits 2007 hatte Kopp nach ersten Plagiatsvorwürfen mit Hahns Dissertation zu tun. In einem im Auftrag der Uni Wien verfassten Gutachten hat die Uni Zürich damals aber festgestellt, dass „die überprüften Passagen nicht als plagiatsverdächtig einzustufen“ sind.

Bei der Uni Wien liegen die Nerven nun jedenfalls blank, ursprünglich hieß es gestern, dass Hahns Arbeit schon diese Woche begutachtet wird. Am Abend dann ein Rückzieher: Man will abwarten, bis eine Anzeige eingebracht wird.

Im Zuge der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg (er trat Dienstag zurück) ist EU-Kommissar Hahn jetzt erneut ins Visier heimischer „Plagiatsjäger“ geraten. Der Linzer Professor Gerhard Fröhlich ist sich sicher, dass Hahn 90 % der Arbeit 1:1 übernommen hat und fordert: „Hahn soll das entlastende Gutachten aus Zürich offenlegen.“ Der Medienwissenschaftler Stefan Weber aus Salzburg prüft für die Grünen die Hahn-Arbeit „auf Punkt und Komma“.

Der Druck auf Hahn und die Uni Wien wird immer größer: Weil die Uni Wien die Hahn-Arbeit (noch) nicht offiziell prüft, hat Herbert Hrachovec vom Institut für Philosophie der Universität Wien eine „Initiative für Transparenz in der Wissenschaft“ gegründet.

Im schlimmsten Fall verliert Hahn seinen Doktortitel
Hahn ist empört: „Meine Arbeit ist sicher kein Plagiat, die Vorwürfe sind Schwachsinn. Man muss meine Arbeit im Kontext der Zeit sehen.“ Sollten die Plagiatsjäger Recht haben, droht dem Ex-VP-Wissenschaftsminister die Aberkennung seines akademischen Titels und möglicherweise das Guttenberg-Schicksal: Der Rücktritt.

Jochen Prüller

 

Dr. Brigitte Kopp, Studienpräses der Universität Wien

„Bei Anzeige prüft Uni“

ÖSTERREICH: Frau Universitäts-Professorin, wie geht die Uni Wien mit den neuen Plagiatsvorwürfen gegen Dr. Johannes Hahn um?
Brigitte Kopp: Die Universität Wien ist in diesem Fall sehr hellhörig, obwohl ein Gutachten der Uni Zürich aus dem Jahr 2007 jeden Plagiatsvorwurf widerlegt.

ÖSTERREICH: Was heißt das in diesem Fall konkret?
Kopp: Ich werde mir persönlich die Dissertation und die Zitate von Johannes Hahn anschauen. Gibt es eine offizielle Anzeige, muss die Uni Wien eine Prüfung einleiten. Hält das Gutachten aus dem Jahr 2007 nicht, werden wir Fachleute hinzuziehen und ein neues Gutachten einholen. Fakt ist aber, dass bisher bei Hahn keine Anzeige wegen Plagiatsvorwurf vorliegt.

ÖSTERREICH: Hat die Affäre Hahn der Wissenschaft und der Uni Wien geschadet?
Kopp: Der Wissenschaft sicher nicht. Aber keine Universität hat große Freude daran, wenn sie sich mit Plagiaten beschäftigen muss. Wichtig ist vor allem, dass eine gute wissenschaftliche Praxis herrscht.



OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten