Günther Platter

Tirol-Wahl

Platter schafft Tirol-Wunder

ÖVP bleibt Erster & kann sich Koaltions-Partner aussuchen.

Schon die Stimmabgabe war eine Machtdemonstration: Günther Platter ignorierte am Sonntag die Wahlordnung, füllte den Stimmzettel nicht in der Wahlzelle aus, sondern vor den laufenden Kameras in seinem Wahllokal in Zams. Das Selbstbewusstsein war angebracht. Der Wunsch von Parteichef Michel Spindel­egger nach einem „Jahr der ÖVP“ ging auch bei der ­Tirol-Wahl in Erfüllung:

ÖVP-Chef sitzt plötzlich fester im Sattel denn je

  • Die ÖVP fuhr 39,6 Prozent der Stimmen ein. Das ist zwar ein Minus von 0,9 Punkten und das schlechteste Ergebnis der ÖVP seit 1945. Platter konnte aber allen Umfragen trotzen und 16 Mandate behaupten. Platter – parteiintern höchst umstritten– sitzt auf einmal sicher im Sattel. Der frühere Verteidigungsminister kann sich seinen Koalitionspartner jetzt aussuchen. Die Gefahr einer Koalition gegen die ÖVP ist gebannt.
  • Die Tiroler SP verlor zwar 1,6 Punkte – und kam wieder auf Platz 2: Die wohl ärgste Sorge des farblosen Spitzenkandidaten Gerhard Reheis – nämlich das Ausscheiden aus der Landesregierung – könnte behoben werden: Reheis darf auf seinen LH-Vize-Sessel hoffen.

Diashow: So jubelt Platter über Wahlsieg

Grüne können jetzt auf Schwarz-Grün hoffen

  • Die Grünen wollten Platz 2 – und Parteichefin Ingrid Felipe verfehlte das Ziel nur knapp. Die Chance auf eine Regierungsbeteiligung lebt.
  • Vorwärts Tirol und Fritz schafften den Sprung in den Landtag. Die ehemalige Landesrätin Anna Hosp kommt mit Vorwärts Tirol in den Landtag – kann sich aber den Sprung in die Landesregierung abschminken. Sie arbeitete ausdrücklich auf Platters Sturz hin und der ist jetzt abgesagt. Erneut schaffte es die Liste Fritz, wenn auch mit Verlusten. Transitgegner Fritz Gurgiser schaute indes durch die Finger.
  • Tiefschlag für Stronach. Für Austrokanadier Frank Stronach lief die Tiroler Wahl katastrophal: Die Streitereien kosteten den Einzug in den Landtag. Er kam nur auf 3,4 %.

Spindelegger kann jubeln – Stronach rutscht ins Tief
Auswirkungen für die Bundespolitik: Die ÖVP ist nach Siegen bei der Volksbefragung und der nö. Landtagswahl obenauf. Die SPÖ muss auf Salzburg hoffen. Die Grünen liegen gut – die FPÖ verliert weiter. Ein schwere Schlappe ist das Tiroler Ergebnis für Frank Stronach, der erstmals scheitert.

Die Sitzverteilung im Tiroler Landtag:

© oe24
Platter schafft Tirol-Wunder
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Tirol bringt Turbo für Spindelegger
Nach 2008 lieferte die machtbewusste Tiroler Volkspartei gestern zwar ihr schlechtestes Ergebnis ab. Eine Schlappe konnte Günther Platter (58) aber verhindern: Der Ex-Verteidigungsminister ließ die Warnung vor italienischen Verhältnissen plakatieren – die Tiroler machten die VP zur Nummer 1.

Siegeslauf für Spindelegger
Das Ergebnis ist eine Fortsetzung des Siegeslaufs für die ÖVP, die Parteichef Michael Spindelegger den Seinen in Tirol, aber auch Salzburg quasi als Kampfauftrag mitgegeben hatte. Politik-Experte Thomas Hofer: „Die Bundespartei darf jetzt durchschnaufen.“

Gelingt Wilfried Haslauer in Salzburg der Sprung auf Platz 1, dann hat Spindel­egger klare Vorteile im Duell um Platz 1 bei der Nationalratswahl. Denn dann hätte die SP Salzburg verloren – und Werner Faymann erneut einen Dämpfer erhalten. Doch auch wenn es in Salzburg nicht klappt: Die Stimmung in der ÖVP ist kampfeslustig.

Autor: Günther Schröder

 

Platter: "Ich rede mit allen"

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zu diesem Ergebnis?
PLATTER:
Ich habe vor der Wahl gesagt, wir werden die 16 Mandate halten, und das ist eingetreten. Auf die Tiroler kann man sich verlassen.

ÖSTERREICH: Wie geht’s jetzt weiter?
PLATTER:
Das werden wir alles am Landesparteitag am Montag besprechen, dort werden wir die Schritte Richtung Koalitionsbildung vorbereiten.

ÖSTERREICH: Ist eine Koalition mit Vorwärts Tirol auch eine Option?
PLATTER:
Ich habe vor der Wahl gesagt, dass ich niemanden ausschließe, das mache ich auch nach der Wahl. Es geht darum, mit welcher Partei unser Tirol-Plan am besten umsetzbar ist.

Alle Reaktionen zur Tirol-Wahl 1/12

HC Strache

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache etwa erklärte im ORF: "Wir haben unser Ziel nicht erreicht, das ist nicht erfreulich." Er verwies auch auf die niedrige Wahlbeteiligung.

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