St. Pölten

SPÖ muss nach Wahl-Watsch'n auf Partnersuche gehen

Nach dem Polit-Beben bei der Gemeinderatswahl in St. Pölten vom Sonntag beginnen bereits am (heutigen) Montag die Parteiengespräche. 

Die SPÖ muss sich nach einem nie da gewesenen Absturz von 56,02 auf nunmehr 42,53 Prozent erstmals seit 1960 und zum überhaupt erst zweiten Mal nach 1945 auf Partnersuche begeben. Die "logische Koalition" ist Rot-Grün.

Nie zuvor ist eine Partei in St. Pölten vom Wähler derart abgestraft worden wie die SPÖ am 25. Jänner 2026. Das Minus von 13,49 Prozentpunkten war ein Rekordverlust. 42,53 Prozent unterboten das bisher schlechteste Abschneiden mit 47,3 Prozent vor fast 66 Jahren deutlich. Gleichzeitig bejubelten die FPÖ (19,75 Prozent/plus 10,83 Prozentpunkte) und die Grünen (9,66 Prozent/plus 1,65 Prozentpunkte) ihr jeweils bestes Abschneiden an der Traisen.

Grüne "bereit"

Die SPÖ (nunmehr 19 nach zuvor 25 der 42 Mandate) kann Zweier-Koalitionen theoretisch mit der ÖVP (neun Sitze), der FPÖ (acht) und eben den Grünen (vier) bilden. Letztere zeigten sich schon am Sonntagabend "bereit, ab sofort noch mehr Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen". Von der Landespartei der Grünen dürfte das goutiert werden, wenn das Konzept einer möglichen Koalition stimmig ist. "Die Hand ist ausgestreckt", war am Sonntagabend zu hören.

In der SPÖ St. Pölten werden indes wohl Wunden geleckt. Bürgermeister Matthias Stadler wird in den kommenden Tagen die Parteigremien einberufen. Die Unterstützung in den eigenen Reihen für den seit 9. Juli 2004 amtierenden Langzeit-Stadtchef sei "breit", erfuhr die APA noch am Wahlabend im Rathaus. Nachsatz eines Insiders: Wäre man nicht als "Liste Bürgermeister Matthias Stadler" angetreten, sondern als SPÖ, hätte das Ergebnis wohl noch deutlich schlechter ausgesehen.

Rot-Grün wäre für FPÖ "ein Wahnsinn"

Es werde sich zeigen, ob die SPÖ (aus ihrem Abschneiden, Anm.) etwas gelernt habe, sagte ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck vor den anstehenden Parteiengesprächen. "Wer nimmt ernst, was die St. Pöltner wollen", sei die Frage. Die Volkspartei werde "inhaltlich nicht billig" sein, kündigte Krumböck an.

Martin Antauer (FPÖ) rechnet mit Rot-Grün, was aus seiner Sicht freilich "ein Wahnsinn" für St. Pölten wäre. Der freiheitliche Listenerste unterstrich, dass die Wähler "Veränderung" wollten. "Wir werden Gespräche führen." Mit 19,75 Prozent hat die FPÖ an der Traisen das aktuell zweitbeste Ergebnis in Landeshauptstädten erzielt. Nur in Wien liegen die Freiheitlichen seit der Gemeinderatswahl im vergangenen Jahr mit 20,35 Prozent knapp höher.

Für die NEOS wurde der Wahlabend zur Hänge- und Zitterpartie. Die Pinken waren laut durchgesickerten Trends mehr aus dem Gemeinderat draußen als drinnen, letztlich gab es mit 2,72 Prozent erneut ein Mandat. Dass es am Ende ein kleines Minus wurde, führten Funktionäre auch auf die Struktur von St. Pölten zurück, die weniger urban als bei Städten im Raum rund um Wien sei. Während die KPÖ vor den NEOS fünftstärkste Fraktion im Gemeinderat wurde und erstmals seit 1982 wieder ein Mandat hält, spielte die Liste "Multikulturelle Gesellschaft" mit exakt 33 Stimmen keine Rolle.

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