Mireille Ngosso

SP-Politikerin Ngosso

Zuspruch nach der Hass-Welle

Internet-Skandal: Vize-Bezirkschefin wurde wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert.

Es war zum Fremdschämen: Nachdem bekannt wurde, dass die farbige Ärztin Mireille Ngosso für die SPÖ Vize-Chefin des 1. Wiener Bezirks Innere Stadt wird, brach über sie eine Welle rassistischer Hasspostings herein. Vor allem auf Facebook wurde die aus der Demokratischen Republik Kongo stammende und seit ihrem vierten Lebensjahr in Wien aufgewachsene 38-Jährige vor allem wegen ihrer Hautfarbe beleidigt.

Doch das Blatt hat sich gewendet. Jetzt bekommt die Politikerin nicht nur aus der eigenen Partei Rückdeckung. Sogar aus Vorarlberg und Tirol bekommt sie Zuspruch. „Auch das ist Österreich“, zeigte sich die Vize-Bezirkschefin souverän und versöhnlich.


Ngosso im Interview: "Vorrangig bin ich eine Wienerin"

ÖSTERREICH: Haben Sie mit rassistischen Reaktionen ­gerechnet?

Mireille Ngosso: Ich habe gewusst, als ich dieses Amt angetreten habe, dass ich mit Rassismus konfrontiert sein werde und mir von Anfang an vorgenommen, mir Hasspostings und rassistische Kommentare nicht durchzulesen – einfach als Selbstschutz. Ab dem Moment der Angelobung dieser Bundesregierung wurde rassistisches Gedankengut salonfähig gemacht. Es wundert mich also nicht.

ÖSTERREICH: Verletzen Sie solche Reaktionen?

Ngosso: Ich versuche, mir diesen Hass nicht zu Herzen zu nehmen, das fällt mir auch leicht in Anbetracht dessen, dass die positiven Reaktionen bei Weitem überwiegen. Ich bekomme unglaublich viele Mails und Nachrichten auf Facebook mit Glückwünschen und bestärkenden Worten. Wien steht hinter mir und das tut gut.

ÖSTERREICH: Wie gehen Sie mit den Anfeindungen um?

Ngosso: Ich hoffe, die Menschen, die mir jetzt so kritisch gegenüberstehen, mit meiner Arbeit überzeugen zu können. Wien ist meine Heimat, ich bin stolz auf meine Wurzeln, bin aber vorrangig Wienerin und mein oberstes Ziel ist es, gute Bezirkspolitik zu machen. Vor allem in den Bereichen leistbares Wohnen, mehr öffentliche, freie Flächen und Gesundheitsversorgung möchte ich Verbesserung schaffen. Die Hasspostings werden nun geprüft und es werden auch rechtliche Schritte überlegt.



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