Der Demokratieforscher Staffan I. Lindberg sieht düstere Zeiten auf uns zukommen.
Professor Staffan I. Lindberg, schwedischer Demokratieforscher und Politikwissenschaftler, war in der ZiB vom 17.3. bei Armin Wolf als Interviewpartner zu sehen.
Autokratie in einigen Ländern
Das Gespräch drehte sich um einen neuen Bericht Lindbergs. In dem geht es darum, dass viele Länder, darunter die USA, keine Demokratie mehr seien, sondern sich deutlich Richtung Autokratie bewegen. Armin Wolf will wissen: „Die Situation ist schlimmer als in den 1930er-Jahren, sagen Sie. Ist es wirklich so schlimm?“
Lindberg erklärt, dass die gegenwärtige Welle der Autokratisierung vor 25 Jahren begann. In den 1930er-Jahren waren es nur 15 Jahre.
Alarmierende Anzeichen
Was sind die wichtigsten Anzeichen, dass ein Land weniger demokratisch wird, will Wolf dann wissen. Lindberg erklärt: „Wenn Presse- und Meinungsfreiheit
untergraben wird. Wenn Politiker versuchen, Journalisten und Presse zu zensieren.“ Das seien eindeutige Zeichen der Entdemokratisierung.
Für Lindberg seien Falschinformationen dafür verantwortlich und
Im Guardian sagte Lindberg, dass Trump eine Diktatur anstrebe. Wolf findet das eine starke Aussage. Lindberg: „Man kann Trumps eigene Worte verwenden.“ Dieser meine nämlich, nur seine eigenen Moralvorstellungen seien Grenzen. Das Team um Trump sei vorbereitet gewesen, meint der Forscher. Sie haben vier Jahre genutzt, um sich vorzubereiten. „Mit unglaublicher Geschwindigkeit die Macht an sich gerissen. Medien, Wissenschaft, Anwaltskanzleien eingeschüchtert.“
Senatswahlen
Ob demnächst alles mit rechten Dingen zugehen werde, will Wolf wissen. Lindberg: „Habe Zweifel, dass die Kongresswahlen fair zugehen. Glaube nicht, dass Trump eine Niederlage eingesteht.“
„Gibt es denn Hoffnung?“, fragt Wolf.„Den Seychellen geht es gut“, so Lindberg schwarzhumorig. Und weiter: „Einige Länder haben eine Kehrtwende gemacht, zum Beispiel Brasilien. In Europa ist es Polen. Sollte es zum Rücktritt Orbans kommen, wäre das eine großartige Entwicklung."