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Causa Weißmann

oe24-Talk: "Der ORF ist in der Krise"

Der oe24.TV-Spezial-Talk zur Causa ORF.

Wien. Was ist wirklich passiert? Was muss passieren? Und wie sehr beeinflusst Parteipolitik den Stiftungsrat? Diese Fragen über den Zustand und die Zukunft des ORF diskutierte am Dienstag eine Insider-Runde bei Politik-Chefredakteurin Isabelle Daniel auf oe24.TV. Zu Gast waren Stiftungsrats-Chef Heinz Lederer, die langjährige „ZiB“-Journalistin Danielle Spera, der frühere ORF-Manager Richard Grasl sowie die frühere ORF-Journalistin Sonja Sagmeister, die den ORF nach einer Versetzung geklagt und gewonnen hat.

Rücktritt: Was ist 
wirklich passiert?

Krise. Stiftungsrats-Chef Heinz Lederer erklärte zu Beginn der Sendung die Chronologie der Ereignisse rund um den Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Er und sein Stellvertreter Gregor Schütze seien mit dem Vorwurf einer „sexuellen Belästigung nach dem Gleichbehandlungsgesetz“ durch Weißmann konfrontiert worden. Man habe Weißmann daraufhin zwei Tage Zeit gegeben - „im Zeitalter von Deepfakes etc.“ - zu klären, was da passiert und ob das real sei. „Er hat es dann versucht, ist scheinbar nicht gelungen“. Am Sonntag gab er dann überraschend seinen Rücktritt bekannt. Auf die Frage, ob der ORF in einer Krise sei, meinte Lederer: „Ja, das ist er“.

Druck? Grasl hakte jedenfalls nach, was an dem Gerücht dran sei, dass der Stiftungsrats-Chef Weißmann gesagt habe, er müsse zurücktreten, „völlig wurscht, ob das stimmt oder nicht“. Lederer: „Nein“. Weißmann habe selbst „den Schlussstrich gezogen“.

Task Force prüft auch ältere Fälle

Ankündigung. Sagmeister sprach in der Talk-Runde auch andere „öffentlichkeitswirksame Fälle“ an. „Da kann niemand behaupten im ORF und auch kein Stiftungsrat, dass man da nichts mitbekommen hat“, so die Journalistin. Lederer kündigte jedenfalls an, dass sich eine Taskforce auch ältere Fälle anschauen werde.

Prämie. Laut Spera sei es aber wichtig, „dass man sich zur Wehr setzt“. So habe sie etwa einmal für einen Kriegseinsatz keine Prämie erhalten, die drei Männer, die auch dabei waren, allerdings schon. Daraufhin beschwerte sie sich beim damaligen Generalintendanten über diese „flagrante Ungerechtigkeit“ - und bekam das Geld. Daher frage sie sich auch, warum die mutmaßliche sexuelle Belästigung erst vier Jahre danach gemeldet wurde. „Wenn mir so etwas passiert, dann warte ich nicht eine Sekunde“, so Spera. Sagmeister äußerte allerdings Verständnis, „nach dem, was ich und andere durchlaufen mussten“.

Wie es im ORF jetzt weitergehen soll

Einig wurden sich Grasl und Lederer etwa, dass es künftig ein Vier-Augen-Prinzip in der Direktion geben sollte. Laut Lederer sei die Parteipolitik im Stiftungsrat aber bereits „rein formal schon draußen“. Dem widersprach Spera: „Es gibt nach wie vor, die totalen Verflechtungen“.

Einig wurde man sich auch, dass es eine externe Stelle geben könnte, wo Stiftungsräte angeben müssen, wen sie beispielsweise beraten, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Bei Anwälten wäre das allerdings aufgrund der Verschwiegenheitspflicht schwierig umzusetzen, so Lederer.

Der neuen Interims-Chefin, Ingrid Thurnher, streuten am Ende der Sendung jedenfalls alle Talk-Gäste Rosen. „Es ist eine Herkulesaufgabe. Ich wünsche ihr wirklich alles Gute“, so etwa Spera.

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