Strache fordert raschen Euro-Austritt

ÖSTERREICH-Interview

Strache fordert raschen Euro-Austritt

Der FPÖ-Chef schlägt in "Österreich" eine neue Hartwährungszone vor.

FPÖ-Chef Heinz Christian Strache verschärft mit einem Interview in der morgigen Sonntags-Ausgabe der Tageszeitung "Österreich" die Diskussion um einen Euro-Austritt Österreichs. Der FPÖ-Chef spricht sich überraschend klar für einen Euro-Austritt Österreichs und eine rasche Rückkehr zum Schilling aus.

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Bisher war das nicht sein Sommer: Erst musste sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit den Geschäften seines Parlamentspräsidenten Martin Graf rumärgern, dann verdarben ihm die Korruptionsfälle seiner Kärntner Parteifreunde den Urlaub auf Ibiza. Und dann noch der Einstieg von Frank Stronach in die Politik, der in seinem Revier zu wildern beginnt.

Schilling-Kurs
Dafür wirkt er bemerkenswert gut gelaunt beim Interviewtermin mit ÖSTERREICH. Beim Gespräch gibt er sich gelassen, konziliant, ja ungewohnt höflich. Und zeigt, dass er die neue Konkurrenz des austro-kanadischen Milliardärs anzunehmen gedenkt.

Er kündigt im ÖSTERREICH-Interview an, im Wahlkampf wie Stronach auf das Thema Euro zu setzen. Konkret: Wird seiner Forderung nach einer eigenen Euro-Gruppe der Hartwährungsländer nicht nachgegeben, kann er sich ebenfalls ein „Zurück zum Schilling“ vorstellen.

Sein Motto: Österreich soll eine rot-weiß-rote Schweiz werden.
Straches Buch. Was Heinz-Christian Strache noch aus dem Urlaub mitgebracht hat: Das Manuskript zu seinem Buch, das noch vor der nächsten Wahl erscheinen soll, ist dicker geworden. Der FPÖ-Chef ist schon beim vierten Kapitel seines Projekts, das eine Mischung aus Biografie und programmatischer Streitschrift werden soll.

Lesen Sie das ÖSTERREICH-Interview mit H.C. Strache im Wortlaut auf der nächsten Seite

ÖSTERREICH: Herr Strache, haben Sie Ihren Traumurlaub in Ibiza gut überstanden?

Heinz-Christian Strache: Danke, es war wirklich ein traumhaft schöner Familienurlaub. 12 Tage mit meinen Kindern, meiner Mutter. Ich habe diese Insel ins Herz geschlossen, bin von ihrer Vielfalt fasziniert.

ÖSTERREICH: Böse Zungen behaupten ja, das war kein Traumurlaub, sondern ein Tauchurlaub. Weil Sie mitten in der Kärnten-Krise wochenlang abgetaucht waren.
Strache: Erstens mache ich meine Tauchurlaube auf den Malediven. Zweitens: Das waren gerade mal 12 Tage mit der Familie nach einem harten Jahr – so wie jeder Arbeitnehmer. Es war der notwendige Abstand, den ein Mensch braucht. Und ich habe so ausgezeichnete Stellvertreter, dass ich nicht zu allem und jedem meinen Senf dazu geben muss.

ÖSTERREICH: Ist das nicht feig, wenn Sie sich in der ganzen Kärnten-Krise nicht zu Wort melden?
Strache: Urlaub mit meinen Liebsten nehme ich mir heraus, ohne dass ich jede Stunde zum Handy greife. Mit feig hat das nichts zu tun.

ÖSTERREICH: Also: Sind nicht dringend Neuwahlen in Kärnten fällig?
Strache: Ich glaube, in der gesamten österreichischen Politik ist ein Neubeginn fällig. Wir brauchen als gesamtes Land einen Neustart mit einer neuen politischen Moral. Wir leben in einem rot-schwarzen Korruptionssumpf, wie sich jetzt ja im U-Ausschuss zeigt. Wobei ich betonen möchte, dass dank des Selbstreinigungsprozesses der FPÖ, den ich 2005 begonnen habe, kein einziger aktiver FPÖ-Politiker unter Korruptionsverdacht steht. Alle Korruptionsverfahren fokussieren sich auf SPÖ, ÖVP und BZÖ. Da ist kein einziger Freiheitlicher dabei.

ÖSTERREICH: Ist das Ihr Ernst? Von den Verfahren gegen die Spitzenpolitiker der FPK, Ihrer Schwesterpartei, haben Sie aber trotz Ibiza-Urlaub schon einmal gehört?
Strache: Gut, dass Sie die FPK ansprechen. Alle angeblichen Korruptionsvorwürfe betreffen jene Zeit, als diese Partei noch das BZÖ war. Mit der aktuellen FPÖ hat das nichts zu tun.

ÖSTERREICH: Sind Sie für sofortige Neuwahlen in Kärnten?
Strache: Ich bin grundsätzlich dafür, dass wir überall Neuwahlen sicherstellen – auch im Bund. Wir haben ja eine katastrophale Entwicklung in der Bundesregierung, wo gleich gegen vier Regierungsmitglieder vom Staatsanwalt ermittelt wird und wo durch das ESM-Diktat das ganze Land ausgeraubt wird.

ÖSTERREICH: Flüchten Sie nicht vor der Frage: Sind Sie für sofortige Neuwahlen in Kärnten?
Strache: Selbstverständlich bin ich dafür, dass in Kärnten neu gewählt wird. Aber vorher sind zwei Dinge wesentlich: Erstens, dass die Vorwürfe von der Justiz aufgeklärt werden. Und zweitens: Dass die freiheitlichen Mitglieder in der Landesregierung noch ihre Klage gegen den ESM-Schirm beim Verfassungsgericht einbringen. Bei einer Neuwahl bin ich mir übrigens sicher, dass die Kärntner Wähler das Polit-Schauspiel von Rot und Grün nicht mitspielen und den Landesvater Dörfler mit großer Mehrheit wiederwählen.

ÖSTERREICH: Wenn Sie sich die Vorgänge in Kärnten so ansehen, müssen Sie sich ja in Ihrer jahrelangen Haider-Kritik bestätigt sehen. War Haider korrupt?
Strache: Ich bin dafür, dass die Justiz aufklärt, welche Sauereien da passiert sind. Aber ich bin genauso gegen das jetzt moderne übertriebene Haider-Bashing.

ÖSTERREICH: Da haben Sie ja eine Zeit lang kräftig mitgewirkt.
Strache: Ich werfe einem Toten keine Steine nach. Und ich bin mir sicher: Es gibt und gab kein „System Haider“, wie jetzt alle faseln. Es gab eine sehr widersprüchliche Person Haider, die angetreten war, das rot-schwarze Korruptionssystem aufzubrechen und die dann auf tragische Weise am Ende selbst Teil dieses Systems geworden ist. Er ist Teil eines korrupten Systems Schüssel geworden und hatte nicht die Kraft, es zu verhindern.

ÖSTERREICH: Ist Ihnen das in Ibiza eingefallen, dass Sie plötzlich zum Haider-Verteidiger werden?
Strache: Ich verteidige niemanden. Und ich würde auch heute für niemanden mehr die Hand ins Feuer legen außer für mich selber.

ÖSTERREICH: Für die FPK, für Scheuch und Dörfler legen Sie die Hand nicht ins Feuer?
Strache: Für die FPK und für Landesvater Dörfler lege ich die Hand ins Feuer. Für die FPK auch deshalb, weil sie durch ihre Kooperation mit uns die historische Leistung vollbracht hat, sich von ihrer Vergangenheit beim BZÖ abzuwenden.

ÖSTERREICH: Und das BZÖ ist in Ihren Augen korrupt?
Strache: Wir haben jetzt einmal einen ersten Blick auf ein korruptes System Schüssel und auf ein möglicherweise korruptes System Grasser. Wir dürfen nicht vergessen, dass Schüssel Grasser 2006 sogar zum ÖVP-Chef machen wollte. Warum wohl? Und das Anhängsel dieses korrupten Systems war das BZÖ.

ÖSTERREICH: Also Haider war das Opfer und Schüssel das böse Mastermind der Korruption?
Strache: Ich sage nicht, dass Schüssel selbst korrupt war – ich sage nur, er war das Mastermind eines Systems, das der Staatsanwalt heute als korrupt verfolgt. Dieser Faden zieht sich durch die ganze ÖVP bis nach Kärnten. Ich meine auch: Die Zahlungen, die VP-Chef Martinz bisher an die ÖVP zugegeben hat, erscheinen mir viel zu gering. Da war viel mehr. Da kann ein Herr Schüssel heute nicht sagen: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

ÖSTERREICH: Die Skandale in Kärnten haben Sie in die Defensive gebracht. Nach allen Umfragen ist Ihr Traum von der Nummer 1 ausgeträumt.
Strache: Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass Ihre Umfragen nicht stimmen. Die derzeitige Diskussion nützt der FPÖ, weil sie zeigt, dass unsere Selbstreinigungskraft seit 2005 funktioniert.

ÖSTERREICH: Ihr Ziel sind nach wie vor bei der nächsten Wahl 33 Prozent?
Strache: Unser Ziel ist ein Schutzmechanismus für Österreich. Dieser Schutz für unser Land ist nur erreicht, wenn die FPÖ 33,4 Prozent hat, weil dann die schon ausgepackelte Koalition Rot-Schwarz-Grün keine Verfassungsmehrheit mehr hat.

ÖSTERREICH: Aber Sie wissen schon, dass Sie von 33 Prozent Wähleranteil so weit entfernt sind wie Wien von Ibiza.
Strache: Die 33,4 Prozent sind mein Ziel. Ich will bei der nächsten Wahl das Vorbild der Schweiz auf Österreich umsetzen.

ÖSTERREICH: Das wird Ihr neuer Wahlslogan?
Strache: Österreich soll eine rot-weiß-rote Schweiz werden. Mein Ziel ist ein Österreich, das neutral, souverän und nicht mehr am Gängelband der zentralistischen EU hängt.

ÖSTERREICH: Aber auch: So wie die Schweiz kein Euro mehr?
Strache: Jawohl, das heißt auch, dass der Euro nicht mehr in Stein gemeißelt ist. Wir sehen ja, dass der Euro gescheitert ist – das muss man endlich eingestehen.

ÖSTERREICH: Die Alternative?
Strache: Ich sage seit Langem, dass starke und schwache Volkswirtschaften endlich währungstechnisch voneinander zu trennen sind. Die Minimalforderung ist jetzt, dass Griechenland, Italien, Spanien und Portugal rasch aus dem Euro ausscheiden...  Das sehen heute die meisten Experten genau so, nur leider die politischen Verantwortlichen nicht. In Zukunft sollen die starken Volkswirtschaften eine neue, harte Währung sicherstellen – Deutschland, Österreich und die Niederlande. Vielleicht Skandinavier. Vielleicht die Schweiz.

ÖSTERREICH: Und wenn das nicht so kommt?
Strache: Dann wird das ESM-Diktat Österreich in eine Rezession stürzen, dann wird kein Geld für Familien, Gesundheit und Bildung mehr da sein. Experten sagen ja, dass wir durch den ESM am Ende mit 360 Milliarden Euro belastet werden könnten. Bevor wir wie die Griechen pleite sind, muss es einen dritten Weg geben: zurück zur nationalen Währung des Schillings. Wenn die Euro-Titanic weiter auf den Eisberg zusteuert, dann müssen wir auf das rot-weiss-rote Rettungsboot aufspringen und das kann eine eigene nationale Währung bedeuten.

ÖSTERREICH: Sie sind in Sachen Euro-Abschaffung plötzlich so supermutig wie Popeye, seit Frank Stronach die Rückkehr zum Schilling fordert.
Strache: Wir Freiheitlichen waren immer gegen die Einführung des Euro – da war Stronach noch großer Euro-Fan.

ÖSTERREICH: Eine Rückkehr zum Schilling hält doch niemand für realistisch.
Strache: Einspruch! Durch die Zuspitzung der Krise wird die Rückkehr zum Schilling immer denkmöglicher.

ÖSTERREICH: Aber in der Schweiz brechen Exporte, Wirtschaft, Tourismus durch den viel zu starken Franken dramatisch ein.
Strache: Ich kann Sie beruhigen, der Schweiz geht’s blendend, dort bricht gar nix zusammen.

ÖSTERREICH: Man merkt schon – Frank Stronach macht Sie offenbar nervös.
Strache: Ganz und gar nicht. Ich respektiere Frank Stronach – er hat ein tolles Lebenswerk. Er hat viele Arbeitsplätze geschaffen, auch viele Millionen Förderung kassiert. Er hat auch viele teure Berater gekauft: Grasser, Vranitzky, Westenthaler. Er hat viel vom Eurofighter-Deal profitiert. Er hat sein Geld als Steuerflüchtling in die Schweiz geschafft. Stronach hat immer versucht, politische Netzwerke zu kaufen. Das wird nicht funktionieren.

ÖSTERREICH: Er will wie Sie einen politischen Neubeginn.
Strache: Aber wenn jemand mit 80 Jahren antritt, Österreich politisch zu erneuern, der immer Teil dieses Systems war – von den Eurofightern bis zu seinen Beratern – dann ist das nicht sehr glaubwürdig.

ÖSTERREICH: Sie sagen: Er kauft sich Abgeordnete?
Strache: So wie er sich Fußballer kaufen wollte und ­gescheitert ist. Zur Politik braucht es ehrliches Herz und Kraft und Liebe – nicht Käuflichkeit, Egomanie und Eitelkeit. Er soll einmal erklären, warum er in der Schweiz Steuern zahlt und nicht in Österreich.

ÖSTERREICH: Angst vor den Piraten?
Strache: Dass ich nicht lache. Bei uns sitzt die Piratenpartei eh schon in der Regierung, Österreich braucht die Freibeuter der FPÖ.

ÖSTERREICH: Mir fällt auf, Sie haben in dem Interview bisher auf jede Kanzleransage verzichtet …
Strache: Es kristallisiert sich tatsächlich heraus, dass das politische Altsystem seinen letzten politischen Überlebenskampf führt. Man will mit aller Gewalt durch eine Koalition SPÖ, ÖVP, Grüne einen Kanzler Strache verhindern.

ÖSTERREICH: Den Kanzler-Traum haben Sie sich also abgeschminkt?
Strache: Sicher nicht. Denn nach einer kräftigen Wahlniederlage wird bei SPÖ und ÖVP ein enormer Druck entstehen, nicht mehr mit den alten Verlierern weiterzumachen. Sobald die FPÖ 33,4 Prozent erreicht und bei SPÖ und ÖVP neue Köpfe in der Führung sind, ist ein Kanzler Strache realistisch.



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