Jakob Bürgler

"NGO-Wahnsinn"

Tiroler Bischofs-Kandidat schockiert von Kurz-Aussagen

Jakob Bürgler betitelte die NGO-Schelte vom Außenminister als "unerträglich".

Der Innsbrucker Diözesanadministrator Jakob Bürgler, der auch als Bischofskandidat gehandelt wird, hat scharfe Kritik an Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) nach dessen Schelte für NGOs wegen deren Rettungseinsätzen im Mittelmeer geübt. Von einem "NGO-Wahnsinn" zu sprechen, sei "unerträglich", sagte Bürgler am Dienstag im APA-Gespräch. Auf eine Bischofsernennung hofft er noch "vor dem Sommer".

   "Ich bin irritiert über die Art, wie hier kommuniziert wurde", richtete Bürgler dem Außenminister aus. NGOs zu beschuldigen, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer quasi "mitzubefördern", sei "fehl am Platz".

   Bürgler verteidigte die Haltung der Amtskirche in der anhaltenden Flüchtlingskrise. Zwar werde die Kirche "nicht ganz korrekterweise als Stimme der Willkommenskultur" betrachtet, aber es gebe nun einmal viele Menschen, die traumatisiert und arm seien. Die Kirche schaue "auf die konkreten Menschen", die ein besseres Leben suchen würden. Wer vor Krieg und Gewalt flüchte, müsse Asyl bekommen.

   Vor einer immer wieder georteten, drohenden "Islamisierung" Europas fürchte er sich nicht, so Bürgler. "Ich weiß auch nicht, wie da Widerstand geleistet werden soll", meinte der Diözesanadministrator und vorherige Generalvikar. Das beste Mittel seien ein "aktiveres christliches Leben" und die "Wiederentdeckung des Glaubensschatzes", sah der Geistliche die heimische Bevölkerung gefordert. Die momentane Situation sei eine Chance für die Kirche, er spüre bereits eine "starke Bewegung zur Kirche zurück" und in vielen Diskussionen nehme er eine "Tendenz hin zur Versöhnung" wahr.

   Die Rolle der Kirche sah Bürgler generell verstärkt als "Vermittlungsinstanz" - nicht nur bei der "Bewältigung der Flüchtlingsbewegung", sondern auch etwa in Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Mindestsicherung, Religionsfreiheit und multireligiöser Gesellschaft. Zudem müsse sie noch stärker überlegen, wie sie "näher an die Menschen" gelange. Diesbezüglich habe sie in den vergangenen Jahrzehnten an "Raum verloren".

   Es brauche, gemäß den Vorstellungen von Papst Franziskus, eine "Beweglichkeit der Kirche nach außen", ein "Engagement in neuen Orten". Bürgler nannte dahingehend etwa die Wallfahrts- und Pilgerseelsorge sowie die Klinikseelsorge. Gleichzeitig benötige es ein "ehrliches, offenes Gespräch über die internen Strukturen".

   Der Diözesanadministrator nahm auch Stellung zu der vom Papst angestoßenen Frage, ob in Regionen mit Priestermangel nicht sogenannte "Viri probati" (das sind "bewährte Männer", die zwar verheiratet sind, aber aufgrund ihres nach katholischen Maßstäben vorbildlich geführten Lebens zu Diakonen geweiht werden können) die Aufgabe von Priestern übernehmen sollten. "Der Papst hat hier keine Zölibatsdiskussion gestartet", machte Bürgler klar. Dahingehend sei er "überinterpretiert" worden. Es gehe um Notsituationen in abgelegenen Gebieten bestimmter Länder. Österreich sei davon derzeit nicht betroffen.

   Dass der Innsbrucker Bischofssitz auch in der Karwoche nach wie vor vakant ist - 16 Monate nach dem Wechsel von Manfred Scheuer nach Linz - sei "unangenehm", räumte Bürgler ein. Es sei "nicht einfach, damit zu leben und zu arbeiten". In der Diözese herrsche "Verunsicherung", Priester in den Pfarrgemeinden würden ihn immer wieder fragen, wann denn der neue Bischof endlich feststehe. Der Unmut sei aber außerhalb der Diözese größer als intern, fügte der Diözesanadministrator hinzu. Zuletzt hatte etwa auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) Kritik an der langen Sedisvakanz geäußert.

   Auf die Frage, ob er selber hoffe, zum Bischof der Diözese ernannt zu werden, meinte Bürgler, er halte nichts davon, wenn man ein solches Amt anstrebe. Er versuche, personenunabhängig zu denken. Er sei jedenfalls dankbar über die "vielen guten Rückmeldungen", die er seit seiner Wahl zum Diözesanadministrator erhalten habe.
 



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