Brandstätter

'unerträgliche Vorgänge' im ORF

Helmut Brandstätter, langjähriger ORF-Korrespondent und Medienmanager, will zurück in seine frühere Home-Base.

Eine Info-Offensive werde das Kernstück seiner Amtszeit sein und " unerträgliche" Vorgänge in der Fernseh-Information beenden. Auch die "Zeit im Bild"-Sendungen will er umkrempeln. Mit dem promovierten Juristen Brandstätter geht ein parteiunabhängiger Medienmensch ins Rennen um die Spitze am Küniglberg - allerdings nur mit Außenseiterchancen.

Entscheidende Jahre für den ORF
2007 bis 2011 - diese fünf Jahre werden nach Meinung von Helmut Brandstätter "ganz entscheidend für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich sein". Der ehemalige ORF-Journalist und n-tv-Geschäftsführer will beim Hearing vor der Wahl "20 Punkte zur Sicherung des öffentlich-rechtlichen ORF in Zeiten sich verschärfender Konkurrenz " präsentieren.

"Unabhängigkeit muss gelebt werden"
Nach Meinung Brandstätters muss der ORF "sehr schnell zu seiner Identität als öffentlich-rechtlicher Sender für alle Österreicher zurückfinden". "Unabhängigkeit muss jeden Tag gelebt werden. Die neue Führung wird es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorleben. " Hart geht der Kandidat mit Info-Chefredakteur Werner Mück ins Gericht. "Wie wir aus dem Bericht der so genannten 'Mück-Kommission' wissen, gehörten das Mobbing von Mitarbeitern und der Gebrauch frauenfeindlicher Äußerungen immer wieder zum Führungsstil."

Zentralismus abschaffen
Die derzeitige zentralistische Struktur in der TV-Information will er abschaffen und Sendungsverantwortliche stärken. Änderungen plant er auch im Programm selbst: "Die 'Zeit im Bild'-Sendungen brauchen einen optischen und inhaltlichen Relaunch." Weiters müsse " überprüft werden, ob man nicht eine eigene Nachrichtensendung um 19:30 Uhr auf ORF 1 entwickelt". Überarbeitet werden sollten die Talk-Formate und Magazinsendungen. Es müsse auch wieder ein Jugendmagazin geben und auch die Fußball-Bundesliga müsse in den ORF zurück.

Persönlichkeiten und Mobilität
Darüber hinaus will er "wieder starke Bildschirmpersönlichkeiten und Radiostimmen bekommen, sie werden Teil der Marke ORF". TW1 soll zum "Eventkanal" mit Live-Sendungen aus dem Informationsbereich und Sportsendungen werden. In Sachen Digitalisierung soll der öffentlich-rechtliche Sender zum "Trendsetter auf den neuen technischen Plattformen" werden. Darüber hinaus brauche es - Stichwort Mobilität - "eigens gestaltete ORF-Programme für unterwegs".

Wer ist Helmut Brandstätter?
Brandstätter wurde 1955 in Wien geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und absolvierte die John-Hopkins-Universität in Bologna. Seine TV-Karriere begann er 1982 beim ORF in der Auslandsredaktion, zwischen 1984 und 1991 berichtete er als Korrespondent aus Bonn und Brüssel, bevor er 1991 die Leitung der Hauptabteilung Dokumentation übernahm. ORF-Sehern ist Brandstätter als Präsentator des "Report" in Erinnerung.

1997 verließ er den ORF, um in Berlin als Trouble Shooter die Geschäftsführung des Nachrichtensenders n-tv zu übernehmen, als dessen Chefredakteur Brandstätter bis zum Einstieg von RTL im Frühjahr 2003 ebenfalls fungierte. Im Zuge der Neustrukturierungen beim Sender musste er den Hut nehmen und kehrte zurück nach Österreich, wo er Mitte 2003 zum damals neu gestarteten Wiener Regionalsender Puls TV stieß, von dem er sich 2004 einvernehmlich trennte.



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