Geheim-Dokument
"Vollgas-Plan" gegen die Kirche
Wien. Der Kanzler bat Thomas Schmid per Chat um „Vollgas“: Am 13. März 2019 war Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka beim damaligen Finanzministeriums-Generalsekretär Thomas Schmid. Thema: Steuerprivilegien der Kirche. So weit, so bekannt. Bisher wurde angenommen, dass Schmid die Kirche wegen deren ablehnender Haltung zur Ausländer-Politik der türkis-blauen Koalition unter Druck setzen sollte. Der Vorfall hatte für großen Wirbel gesorgt – laut ÖVP seien die Differenzen mit der Kirche inzwischen allerdings ausgeräumt.
Blümel lieferte Mail auf Papier an U-Ausschuss
Geheim. Ein geheimer Mail-Verkehr aus dem Finanzministerium, den Minister Gernot Blümel dem U-Ausschuss übermittelt hatte, legt nahe: Die Aktion war sorgsam vorbereitet. Schon am 4. März – 9 Tage vor dem Termin – schrieb eine Mitarbeiterin des Finanzministeriums an ihre Kollegen: Das Kanzleramt wolle eine Auflistung „aller steuerlichen Begünstigungen im Zusammenhang mit Religionsgemeinschaften“. Die Zeit drängte offenbar – innerhalb von 32 Stunden brauche sie eine Antwort, schrieb die Beamtin dazu.
Sozialhilfe statt Sicherung. Und just am 13. März – dem Tag des Treffens mit Schipka – hatte Türkis-Blau die Reform der Mindestsicherung beschlossen – die Kirche hatte damals vor allem gegen die Kürzung bei den Kinderzuschlägen protestiert.
Im Finanzministerium sieht man keinen Zusammenhang mit der Kirchen-Kritik: „Die Steuerprivilegien liegen bei weit über 15 Mrd. Euro. Im Rahmen von Steuerentlastungen werden auch Steuerprivilegien von Gruppen und Organisationen näher angeschaut.“
Blass. Schmid war nach dem Treffen mit Schipka jedenfalls zufrieden: „Er war rot, dann blass, dann zittrig“, meldete er dem Kanzler. Allerdings: Die Steuerprivilegien der Kirche wurden NICHT gestrichen.
(gü)
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