Polit-Insider von Isabelle Daniel

Warum Kurz ›Schritt zur Seite‹ macht

Warum Kurz ›Schritt zur Seite‹ macht
© APA/GEORG HOCHMUTH
Ab gestern Mittag zeichnete sich der Rückzug ab. Mit wem er sich beriet.
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Wien. Er sei auch „nur ein Mensch mit Fehlern“. Aber einer, der „das Land vor taktische Spiele“ setze, sagte Sebastian Kurz gestern um 19.40 Uhr, als er seinen Rücktritt als Kanzler ankündigte. Worte, an denen er bereits stundenlang gefeilt hatte.

Freitagabend: Kurz merkt, dass ÖVP keinen Plan hat

„Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagen immer mehr Berater am Freitag zu Kurz. Seit Mittwoch die neuesten Chat-Enthüllungen geplatzt waren, seit die Grünen Kurz die „Amtsfähigkeit“ absprachen, wird die
Lage immer auswegsloser. Die ÖVP scheut weniger das Juristische als die beleidigenden Chats gegen eigene Leute, den Eindruck des „Dauertaktierens“ und der „Buberlpartie“. Auch in den Bundesländern fällt dieses Wort immer häufiger. Und das Wort „Unreife“.

Kurz kennt seine Partei. Er weiß, dass nicht alle Loyalitätsbekundungen 100 Prozent ernst sind. Die Partei hält an ihm fest, weil er ihr vielleicht die Nummer eins sichern könne. Aber „Rot-Blau-Grün-Pink“ als Alternative?

Samstagmittag: Kurz berät sich im kleinen Kreis

„Ein Rückzug wäre eine Möglichkeit“, sagt Kurz Samstagmittag im Kanzleramt im kleinsten Kreis. Seine Mitarbeiter, Berater sowie die VP-Minister Elisabeth Köstinger, Gernot Blümel und Karl Nehammer, sind anwesend. Kurz überlegt hin und her. Auch seine Familie rät ihm zum „Schritt zur Seite“. Wenn er als Kanzler gehe, rette er die Koalition und stehe „nicht schon wieder als Zerstörer da“. Er könne beginnen, sein Image wieder aufzupolieren, statt „sich Scheibchenweise demontieren zu lassen“, sagen Strategen. Sonst könnten sich wohl auch zunehmend VPler kritisch zu Wort melden gegen ihn.

Die Entscheidung reift immer klarer bei Kurz. Er hört vom Treffen von SP-Chefin Rendi-Wagner und FP-Chef Kickl. Er kriegt die Meldung, dass der große einstige rote Kanzler Franz Vranitzky vor „wagemutigen Konstrukten“ warnt und VP-Grün zum Weitermachen auffordert, „aus Interesse am Staat“. Ähnlich hatte der Bundespräsident argumentiert. Gegen 17 Uhr sagt er, „ich gebe heute noch meinen Rückzug bekannt“. „Schalli“ (Schallenberg) solle übernehmen, sagt er. Und überrascht: Er wolle „nicht bis Dienstag taktieren“. Und beginnt den Kampf um sein Comeback

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