Wolfgang Fellner

Das sagt ÖSTERREICH

Unser Land ist blau, aber noch nicht wirklich

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Laut Gallup-Umfrage ist Österreich derzeit eine blaue Republik. In der Sonntagsfrage kommt die FPÖ schon auf 35 % – noch wichtiger: Ohne FPÖ wäre keine Regierung möglich, weder Rot-Schwarz noch Rot-Grün-Neos haben eine Mehrheit. Nur Blau-Schwarz (und theoretisch Blau-Rot) kommt über 50 %.

Auch in der Hofburg-Wahl läuft alles für die blauen Wiederholungstäter: Norbert Hofer führt bei der Noch-einmal-Stichwahl laut Gallup mit 52:48  % – und hat beste Chancen auf den Präsidenten.

Blauer Präsident, blauer Kanzler – steuern wir in eine FPÖ-Republik? Doch einfach wird das für Strache nicht …

Kanzler Kern hat – laut Gallup – einen beachtlichen Start hingelegt. Er hat die SPÖ bei 25 % stabilisiert und sich selbst in kurzer Zeit einen „Kanzler-Bonus“ erarbeitet. 47 % der Österreicher würden Kern bei einer Direktwahl zum Kanzler wählen, nur 30 % Strache. Heißt: Wenn Kern keinen SPÖ-, sondern einen Kanzler-Wahlkampf führt, kann er bei einer Neuwahl gegen Strache siegen.

Auch für die ÖVP ist die Lage nicht hoffnungslos: Zwar liegt sie derzeit mit 19 % dramatisch zurück, aber die ÖVP hat mit Außenminister Kurz – zumindest laut Gallup-Umfragen – eine „Wunderwaffe“ im Talon. Mit Kurz als Aushängeschild würde der ÖVP-Wert sofort auf 26 % steigen (bei nur mehr 30 % FPÖ und 24 % SPÖ) – vor allem aber würde Kurz ein Direktduell mit Kern 57 zu 43 % gewinnen.

Das Szenario für eine Neuwahl ist völlig offen. Strache ist nur Umfrage-Sieger – der Favorit (mit dem Kanzler-Bonus) wäre derzeit wohl Christian Kern. Doch wenn die ÖVP Kurz ins Rennen schickt, hätte vermutlich der Außenminister – der derzeit von Türken- bis Flüchtlingsfrage alles richtig macht – die besten Siegeschancen.

Denn Kurz hat einen großen Vorteil – er ist „Everybody’s Darling“ und er kann mit allen Parteien regieren: mit Blau bei einer „Wende“, mit Rot bei einem Neubeginn der „alten“ Koalition – oder sogar mit Schwarz-Grün-Pink in einer ganz neuen „Reform-Regierung“.



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