Corona-Experte: 'EURO ist Ischgl zum Quadrat'

EM fordert Todeszoll

Corona-Experte: 'EURO ist Ischgl zum Quadrat'

Infektiologe schlägt Alarm: Das Turnier werde einen corona-bedingten Todeszoll fordern. 

Urs Karrer, Vizepräsident der Schweizer Covid-Taskforce, ist besorgt wegen der "unkontrollierten EM-Euphorie". Das pan-europäische Fußball-Turnier sei "Ischgl im Quadrat" und werde einen corona-bedingten Todeszoll fordern, so der Infektiologe.

"Es erstaunt mich wirklich, mit welcher Nonchalance wir in Europa diesem Virus immer noch begegnen, kaum sind die Fallzahlen am Sinken", sagte Karrer im Interview mit dem "SonntagsBlick". Die epidemiologische Lage in Europa präsentiere sich zurzeit nicht so, dass solche Massen-Events unkontrolliert durchgeführt werden könnten. Und Emotionen, die zu einer EM gehören, seien nun mal das Gegenteil von Kontrolle.

Ideales Terrain

"Die EM ist für das Virus ein ideales Terrain", sagte Chefarzt der Infektiologie des Winterthurer Kantonsspitals. Es seien bereits mehrere Massenansteckungen bekannt geworden: Knapp 2.000 schottische Fans hätten sich in London angesteckt, ebenso Hunderte Finnen rund um zwei Spiele in St. Petersburg. Aus seiner Sicht bräuchte es in Hotspots wie England oder Russland viel konsequentere Schutzmaßnahmen.

Die EM werde einen corona-bedingten Todeszoll fordern, sagte Karrer. Sie sei das "Ischgl im Quadrat". Der Tiroler Wintersportort galt im März 2020 zu Beginn der Pandemie als Corona-Hotspot, der zur Verbreitung des Virus in Teilen Europas beigetragen haben soll.

Zahlen werden steigen

In den nächsten Wochen werde sich zeigen, in welchem Umfang die EM einen Beitrag an der Virusverbreitung und der Pandemie-Verstärkung gehabt habe. Es sei denkbar, dass auch in der Schweiz nach einer langen Zeit sinkender Fallzahlen gerade eine Kehrtwende stattfinde.

Zudem gibt es noch die Delta-Variante. Diese beweise in England oder Portugal gerade, dass seine Übertragbarkeit dermaßen hoch sei, dass neue Wellen unter Nichtgeimpften auch im Sommer möglich seien. "Wir müssen jedenfalls gut aufpassen, dass wir in der Schweiz nicht in eine vierte Welle geraten." Karrer rechnet damit, dass ab Mitte Juli die doppelt so ansteckende Delta-Mutation des Virus das epidemiologische Geschehen in der Schweiz dominieren wird.

Vom jetzigen Verhalten hänge ab, ob die Schweiz ohne größere Einschränkungen durch den Winter käme. "Wir haben die wirksamsten Impfstoffe in genügender Menge zur Verfügung. Jetzt gelte: "Impfen, impfen, impfen".