Auf seiner ersten olympischen Medaillenmission hat Skisprung-Shootingstar Stephan Embacher ein unübliches Mitbringsel im Gepäck.
Denn der 20-jährige Tiroler befindet sich in seinem letzten Jahr im Schigymnasium Stams, für den erfolgreichen Abschluss der Handelsschule wirft der Überflieger zumindest hin und wieder einen Blick in die Schulbücher. "Ich habe sie immer mit", sagt Embacher über seine Lernsachen, nur um dann zuzugeben: "Reingeschaut habe ich aber noch nicht so oft."
In Predazzo liegt der Fokus freilich auf der Schanze, zuletzt überzeugte Embacher mit starken Leistungen bei der Skiflug-WM und konstanten Top-acht-Resultaten im Weltcup. "Ich habe gar keinen Druck", betonte der zweimalige Junioren-Weltmeister im Vorfeld. Wahrscheinlich mache er sich selbst am meisten Druck, was aber gar nicht nötig sei. "Ich bin 20 Jahre alt und habe hoffentlich noch ein paar Spiele vor mir. Natürlich nehme ich mir vor, dass ich wie bei der Tournee oder der Skiflug-WM meine Topsprünge mache und hoffentlich schaut ein cooles Ergebnis raus."
Embacher mit Parallelen zu Morgenstern
Beim Auftakt auf der Normalschanze am Montag gehört Embacher zum erweiterten Favoritenkreis. Sein Weg erinnert stark an Thomas Morgenstern, der sich in Turin 2006 etwas mehr als einen Monat nach Embachers Geburt als bisher letzter heimischer Skispringer zum Olympiasieger in einem Einzelbewerb krönte - und ebenfalls im Internat in Stams die Schulbank drückte. "Es ist genial, wie er sich heuer entwickelt hat", sagte Morgenstern, der die Nervenstärke des Youngsters bewunderte. "Ein cooler Typ, sehr emotionslos vor der Kamera. Dahinter lasst er aber schon ein bissl die Sau raus."
ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl bezeichnete Embacher zuletzt als "Strizzi", der Neuling bei den ÖSV-Adlern hat dafür eine gute Erklärung. "Weil ich doch noch ein bissl einen jugendlichen Leichtsinn in mir habe", sagte der Vierschanzentournee-Dritte. Er hoffe, dass er diesen auch nie verlieren werde. "Ab und zu kann man auch mal ein paar Blödheiten machen, es muss nicht immer ernst sein." Der Spitzname "Bambi", den er von seinen Kollegen umgehängt bekam, stört ihn überhaupt nicht. "Ich muss mich nur auskennen, wie mich wer nennt. Weil sonst stehe ich da und antworte einfach nicht", sagte er und grinste.
Embacher holte bereits Doppel-Gold bei EYOF 2023
Von seinem Mentor Gregor Schlierenzauer holte er sich vor seinem Debüt unter den Fünf Ringen noch Tipps. "Wir werden das gemeinsam genießen, dass ich bei meinen ersten Olympischen Spielen dabei sein darf", sagte Embacher, der sich selbst als sehr ehrgeizige und akribische Person beschreibt.
An das olympische Umfeld hat der Skiflug-Vizeweltmeister im Team aber bereits gute Erinnerungen. Denn beim Europäischen Olympischen Jugendfestival 2023 in Planica sicherte sich Embacher die Goldmedaille im Einzel und im Team. "Damals habe ich gesagt, es wäre ein Traum, bei Olympia 2026 in Cortina dabei zu sein. Und jetzt ist es so. Es ist sehr cool und ich freue mich schon voll auf die Spiele."