Im Ukraine-Krieg hat ein neuer Austausch von Kriegsgefangenen begonnen. Russland und die Ukraine ließen nach offiziellen Angaben im ersten Schritt jeweils mehr als 200 Soldaten frei. Insgesamt sollen in den kommenden Tagen deutlich mehr Menschen in ihre Heimat zurückkehren.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf X, dass zunächst 205 ukrainische Soldaten freigekommen seien. Gleichzeitig bestätigte auch Moskau die Rückkehr derselben Zahl russischer Militärangehöriger. Laut beiden Seiten handelt es sich um den Auftakt eines deutlich größeren Austauschs.
Insgesamt 1000 Gefangene pro Seite geplant
Nach bisherigen Informationen sollen Russland und die Ukraine insgesamt jeweils 1000 Kriegsgefangene übergeben. Selenskyj kündigte an, weiter um alle Menschen kämpfen zu wollen, die sich noch in Gefangenschaft befinden. „Wir werden weiter um jeden kämpfen, der noch in Gefangenschaft ist“, schrieb der ukrainische Präsident.
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Die freigelassenen russischen Soldaten wurden laut Angaben des Verteidigungsministeriums zunächst nach Belarus gebracht. Moskau bedankte sich außerdem bei den Vereinigten Arabischen Emiraten, die bei der Vermittlung der Aktion unterstützt haben sollen.
Waffenruhe ebnete offenbar den Weg
Der Austausch soll Teil einer Vereinbarung rund um die dreitägige Waffenruhe Anfang Mai gewesen sein. Die Feuerpause vom 9. bis 11. Mai war im Zusammenhang mit den russischen Feierlichkeiten zum Weltkriegsgedenken vereinbart worden. Nach Angaben russischer und ukrainischer Stellen gab es zuvor Streit darüber, wie rasch die Listen der Gefangenen übermittelt wurden.
In den vergangenen Jahren kam es bereits mehrfach zu ähnlichen Aktionen. Größere Austausche finden häufig in mehreren Etappen statt, da Transport und Übergabe der Soldaten logistisch aufwendig sind. Treffpunkt war zuletzt meist das Grenzgebiet zwischen Belarus und der Ukraine.
Auch tote Soldaten sollen übergeben werden
Russische Medien berichteten zudem, dass im Zuge der Vereinbarungen auch getötete Soldaten übergeben werden könnten. Demnach soll Russland mehrere hundert Leichen ukrainischer Soldaten zurückgeben, während Moskau im Gegenzug deutlich weniger russische Gefallene zurückerhalten soll.
Hintergrund dürfte die militärische Lage an der Front sein: Weil russische Truppen in einigen Gebieten Geländegewinne erzielten, konnte die ukrainische Armee viele ihrer Gefallenen offenbar nicht bergen.