Dienstältester deutscher Landesvater hat gewonnen

Rheinland-Pfalz

Dienstältester deutscher Landesvater hat gewonnen

SPD bleibt in Mainz stärkste Kraft: Kurt Beck muss aber mit den Grünen koalieren.

Schon zum vierten Mal hat der SPD-Politiker Kurt Beck eine Landtagswahl gewonnen - wenn wohl auch knapp. Deutschlands dienstältester Ministerpräsident bleibt Regierungschef von Rheinland-Pfalz. Den Hochrechnungen zufolge wurde die SPD bei der Abstimmung am Sonntag trotz deutlicher Verluste wieder stärkste Kraft vor der CDU.

Die absolute SPD-Mehrheit ist damit zwar verloren, dennoch ist es ein Triumph für Beck, der 2008 eher unrühmlich als SPD-Bundesvorsitzender zurückgetreten war: Nun kann er insgesamt 22 Jahre an Rhein und Mosel regieren.

Jedenfalls sagt er selbst, dass er bis zur nächsten Landtagswahl 2016 Hausherr in der Staatskanzlei in Mainz bleiben will. Allerdings muss sich Beck nun wohl erstmals mit den Grünen für eine Regierungskoalition auseinandersetzen.

Wie seine knapp unterlegene CDU-Gegenspielerin Julia Klöckner ist er bodenständig und heimatverbunden. Unermüdlich reist er landauf landab, um nah bei seinen vier Millionen Bürgern zu sein, und kümmert sich auch um ihre Alltagssorgen. Bereits seit 1994 steht Beck an der Spitze der rheinland-pfälzischen Regierung in dem ländlich geprägten und strukturell konservativen Bundesland. Bis 2006 regierte er zusammen mit der FDP, die nach den Hochrechnungen nun aus dem Landtag geflogen ist.

Der Maurersohn aus dem südpfälzischen Steinfeld hatte nach der Ausbildung zum Elektromechaniker und der frühen Hochzeit mit seiner Frau Roswitha auf dem zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife erlangt. Bei Betriebsbesuchen verblüfft der stoppelbärtige Vater eines Sohnes gerne mit seinen handwerklichen Fähigkeiten.

Nach seinem Abschied von der großen Berliner Bühne 2008 beschränkte Beck sein deutschlandweites Agieren vor allem auf die Medienpolitik: Er ist Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder und Chef des ZDF-Verwaltungsrats.

Im Mainzer Landtag sitzt Beck bereits seit mehr als 30 Jahren, seit 1993 steht er auch an der Spitze der rheinland-pfälzischen SPD. Die politische Konkurrenz wirft ihm immer wieder eine "Arroganz der Macht" vor - doch auch vermeintliche und tatsächliche Skandale können ihm augenscheinlich kaum etwas anhaben.

Als größte Krise in seiner Amtszeit als Regierungschef gilt die Nürburgring-Affäre. Die Privatfinanzierung des 330 Millionen Euro teuren Freizeitparks an der Rennstrecke in der Eifel war 2009 spektakulär gescheitert. Es entstand der Eindruck, dass die SPD- Regierung auf Betrüger hereingefallen war.

(Internet: SPD/Kurt Beck: http://dpaq.de/gRfDX)

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