Ein estnischer Sicherheitsexperte sorgt mit einer neuen These für Aufsehen: Deutschland sei für Russland ein wahrscheinlicheres Angriffsziel als die baltischen Staaten. Als logistisches Herz der Nato stehe die Bundesrepublik besonders im Fokus.
Erkki Koort, Direktor am Institut für Innere Sicherheit der Estnischen Akademie für Sicherheitswissenschaften, widerspricht im Gespräch mit der Zeitschrift WPROST gängigen Annahmen.
- Trump droht offen mit NATO-Austritt
- Ukraine: Selenskyj offen für Waffenruhe
- Geheimtreffen: Putin verlangt Spenden von Oligarchen
Während viele Experten davon ausgehen, dass Wladimir Putin primär Estland, Lettland oder Litauen ins Visier nimmt, bezeichnet Koort dies als „primitives Denken“. Deutschland spiele die Schlüsselrolle in Europa und bilde den strategischen Rücken der Nato.
Deutschland als logistisches Zentrum
Wer die Nato wirklich schwächen wolle, müsse laut Koort ihr logistisches und strategisches Zentrum treffen. „Was nützen Angriffe auf die Grenzgebiete zwischen Russland und der Nato, ohne zuvor den strategischen Rücken zu neutralisieren? Und dieser Rücken liegt in Deutschland“, erklärt der Experte. Auch in Österreich wird die Rolle Deutschlands als Drehscheibe für die Sicherheit der europäischen Ostflanke seit Jahren genau beobachtet.
Einfluss durch die Diaspora
Ein wesentlicher Faktor für Koorts Schlussfolgerung ist die gesellschaftliche Struktur. In Deutschland leben rund 3,5 Millionen russischsprachige Menschen. Der Kreml sieht hier laut dem Experten ein Netzwerk aus Unterstützern und Sympathisanten. Zudem könnten politische Kräfte, die eine Verständigung mit Moskau suchen, die Einflussmöglichkeiten Russlands vergrößern und die Gesellschaft von innen heraus destabilisieren.
Warnung vor militärischer Schwäche
Trotz gestiegener Verteidigungsausgaben sieht Koort militärische Defizite. „Geld kämpft nicht an der Front. Dafür braucht man den Willen zum Kampf und Menschen“, so sein Fazit. Ein Angriff auf Deutschland hätte eine enorme propagandistische Wirkung.