Franziskus erneuert Ostern

Rom

Franziskus erneuert Ostern

Papst wäscht 12 Häftlingen die Füße - Heute betet er Kreuzweg am Kolosseum. 

Es ist ganz klar: Der Trendsetter in Sachen Bescheidenheit ist Papst Franziskus. Auch zum Auftakt der Osterfeierlichkeiten in Rom zeigte er, dass sein Platz bei den Menschen und nicht hinter den goldenen Türen des Vatikans ist.

„So, als würde Jesus hier seine Jünger besuchen“
Für die traditionelle Fußwaschung am Gründonnerstag hatte der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires nämlich einen besonderen Ort gewählt. Im römischen Jugendgefängnis Casal Del Marmo kniete sich der 76-jährige Pontifex vor zwölf jugendlichen Häftlingen nieder, um ihnen die Füße zu waschen – und so im Sinne Christi Demut und Verbundenheit zu zeigen. „Es ist fantastisch. Ein Papst, der hierherkommt, um den jungen Leuten die Füße zu waschen. Es scheint mir, als würde ich Jesus sehen, der seine Jünger besucht“, schwärmte Gefängnis-Seelsorger Pater Gaetano Greco.

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Papst trifft seinen Vorgänger

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    Papst warnt vor Kirche, 
die „um sich selbst kreist“
    Ähnliches auch gestern bei der Chrisammesse, die die Osterfeierlichkeiten mit der Weihe des Chrisam-Öls einläutet. Hier rief der Papst seine Priester auf, sich wieder mehr an den Rand der Gesellschaft zu wagen, „wir müssen wieder Mittler zwischen Gott und den Menschen sein“, sagte Franziskus.

    Dass er selbst diese Worte wirklich so meint, beweist eine Rede vor der Papstwahl, die nun in voller Länge aufgetaucht ist. Vor dem Konklave kritisierte der Argentinier schon seine Kirche, die „um sich selbst kreist. Dies ist ein Geist des theologischen Narzissmus.“ Harte Worte, die ihm jedoch das Pontifikat einbrachten.

    Lichtermeer beim Kreuzweg am Kolosseum in Rom
    Kein Wunder, dass der Papst auch heute, wenn ab 21 Uhr die 14 Stationen des Kreuzwegs am Kolosseum gebetet werden, von Tausenden Gläubigen begleitet wird. Die Kreuzwegsandacht verspricht nicht nur spirituell, sondern auch optisch ein Erlebnis zu werden: Der Weg vom Kolosseum zum Palatin-Hügel wird in einem Lichtermeer aus Kerzen und Fackeln erstrahlen.

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      Es folgen der Karsamstag und hier die große Auferstehungsmesse, die der Papst im Petersdom zelebriert. Höhepunkt ist am Ostersonntag die Ostermesse und natürlich jene drei Worte, auf die 1,2 Milliarden Katholiken weltweit warten – der Segen „Urbi et orbi“.

      Dompfarrer Toni Faber erklärt Ostern
      ÖSTERREICH:
      Herr Pfarrer, Ostern ist das höchste Fest der katholischen Kirche. Was bedeutet es wirklich?
      Toni Faber:
      Es ist ein Siegesfest, denn es ist der Sieg über die Schwerkraft.

      ÖSTERREICH: Man feiert die Auferstehung nach dem Tod von Jesu Christi – meinen Sie das mit Schwerkraft?
      Faber:
      Ja, aber im übertragenen Sinne. Es ist die Liebe, die stärker als der Tod ist. Jesus hat das Leid auf sich genommen, um zu zeigen, dass die Liebe sogar den Tod besiegt.

      ÖSTERREICH: Jesus Christus ist am Karfreitag um 15 Uhr gestorben, aber bereits am Karsamstag wird Auf­erstehung gefeiert. Das sind aber keine drei Tage – wie soll sich das also ausgehen?
      Faber:
      Das bezieht sich auf die jüdische Rechnung, nach der ein neuer Tag bereits nach Sonnenuntergang beginnt. Der Freitag wird als ein Tag gerechnet, der Samstag bis Sonnenuntergang als zweiter und danach – wenn die Messen gefeiert werden – ist man bereits am dritten Tage.

      ÖSTERREICH: Warum wäscht der Papst am Gründonnerstag jungen Häftlingen die Füße?
      Faber:
      Beim letzten Abendmahl wusch Jesus den 12 Aposteln die Füße als Zeichen seiner Verbundenheit.

      ÖSTERREICH: Ostern ist zwar das höchste Fest im Kirchenjahr, aber wir feiern Weihnachten immer viel emotionaler – warum?
      Faber:
      Weil viele in die Geburt eines Kindes eben leichter Hoffnungen legen als in ein Leben nach dem Tod.

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