Venedig steht vor einem kuriosen Problem: Die Taschendiebe wollen geschützt werden und verklagen jetzt die lokale Bürgerwehr.
Die Bürgerwehr in Venedig wurde vor einigen Jahren gebildet, um die steigende Zahl der Diebstähle zu bekämpfen. Sie patrouillieren freiwillig durch die Stadt, rufen "Vorsicht vor Taschendieben!", filmen Taten, halten notfalls Verdächtige fest und melden sie bei der Polizei. Doch nun wollen die Taschendiebe geschützt werden.
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Wenn sie bei einer Straftat von einem Mitglied der Bürgerwehr erwischt, gefilmt und festgehalten werden, verklagen sie jetzt die Bürgerwehr wegen Stalkings. Das berichtete nun die italienische Zeitung "Corriere del Veneto".
Strafrecht schützt Taschendiebe
Laut dem Bericht zeigen einige bekannte Gang-Mitglieder jetzt Freiwillige der Bürgerwehr an. Ihre Begründung: Sie wurden ohne Genehmigung gefilmt und festgenommen. Laut dem italienischen Strafrecht sind sie sogar im Recht.
Nach einer Reform sind Taschendiebstähle nicht mehr grundsätzlich verfolgbar. Sie sind erst möglich, wenn der Bestohlene den Dieb anzeigt. Nur bei schweren Verbrechen haben Privatpersonen das Recht, den Tatverdächtigen festzuhalten, sonst droht eine Strafe wegen Freiheitsberaubung. Diese Lücke nützen nun die Diebe aus.
"Leider können wir nichts tun"
Dazu sagt der Polizeikommandant Marco Agostini gegenüber der Zeitung: "Leider können wir nichts tun, da es keine nationalen Vorschriften gibt, um Diebe oder Taschendiebe zu stoppen." Er meint: "Ich habe immer gesagt, dass die Bürger nicht die Strafverfolgungsbehörden ersetzen sollten, und das ist das Ergebnis."
Monica Poli engagiert sich seit Jahren in der Bürgerwehr und ist schockiert über den Trend: "Wir, die wir Diebe anzeigen und schon oft Überfälle verhindert haben, werden zu Tätern. Es ist paradox." Auch Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro ist fassungslos: "Das Problem ist, dass es kein nationales Gesetz gibt. Jetzt kommen wir an den Punkt, an dem Taschendiebe Bürger anzeigen. Wir müssen dringend eingreifen."