urteil

Puerto Rico

Härtere Strafe für Tierquäler als für Mord

G. Lopez wurde wegen Tierquälerei zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt.

Dürfen Tierquäler härter bestraft werden als Mörder? Diese Frage wird derzeit auf der Karibikinsel Puerto Rico diskutiert. Auslöser dafür ist der Fall von Georgenan Lopez, der wegen Tierquälerei zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Sein Anwalt kündigte am Mittwoch Berufung an. Das Urteil sei unverhältnismäßig, ungewöhnlich und grausam, sagte Julian Claudio. "Sie setzen ein Tier mit einem Menschen gleich, und das Tier ist nicht einmal gestorben", sagte er.

Pferd mitgeschleift
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft band Lopez ein Pferd an seinem Lastwagen fest und fuhr los. Eine Viertelstunde lang soll er das Tier, das mit einem Strick um den Hals an dem Fahrzeug befestigt war, mitgeschleift haben. Das Pferd habe immer wieder das Gleichgewicht verloren.

Lopez ist der Erste, der nach einem 2008 erlassenen Tierschutzgesetz verurteilt wurde. Das Gesetz war eine Reaktion auf Vorwürfe, auf der Insel würden die Rechte von Tieren nicht geachtet und Missbrauch nicht bestraft. Für viel Aufsehen sorgte 2007 ein Fall, bei dem Behörden herrenlose Hunde in einer Sozialwohnungssiedlung einfingen und sie eine Brücke hinunterwerfen ließen, um die Tiere zu töten.

"Gefährlicher Präzedenzfall"
Für Osvaldo Toledo, Präsident der puertoricanischen Anwaltskammer, ist ein solches Strafmaß in einem Fall, in dem das Tier überlebte, ein gefährlicher Präzedenzfall. "Ich heiße es nicht gut, was der Mann getan hat, aber die Strafe muss überprüft werden", sagte er. Zwar sei die Tierquälerei ein Problem in Puerto Rico, doch Aufklärung und nicht drakonische Strafen seien die Antwort. Die Abgeordneten sollten das Gesetz überprüfen und sicher stellen, dass die Strafen der Tat angemessen seien.

Das Pferd hat sich seit dem Zwischenfall im Februar erholt. Es habe Gewicht zugelegt, hinke aber noch immer und könne nie mehr als Reitpferd dienen, sagte Lisa Embree, Leiterin der Tierpflegeorganisation, die sich des Pferds angenommen hat. Zwar tue es ihr für Lopez' Familie leid, doch die harte Strafe lobte sie als wichtigen Schritt zur Reduzierung der Tierquälerei auf der Insel. "Sie sind lebendige Wesen", sagte Embree. "Sie verdienen es auch, als solche behandelt zu werden."



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