"Meine Flucht aus der AKW-Stadt"

Herbert 
Bauernebel

"Meine Flucht aus der AKW-Stadt"

An Tankstellen gab es nichts mehr. "Sogar die berühmten Neon-Schilder waren aus."

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Es ist geschafft. Ich bin in Sicherheit. Aber hinter mir liegen 48 der aufregendsten Stunden in meinem Leben. Die Visite im Krisenzentrum beim Katastrophen-Kraftwerk, dann die Nacht in Tokio, als die Atomwolke kam.

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      Rückblick
      Ich bin im Krisenstab des Katastrophen-AKW Fukushima. Es ist Mittag, das Kommando-Zentrum befindet sich mitten in der Stadt, in einem Amtsgebäude der Präfektur Fukushima. Das Gebäude ist ungeheizt, es ist saukalt drinnen. Rund 50 Männer befinden sich in einem Besprechungsraum, in den Gängen herrscht hektisches Treiben.

      Den Leiter des Krisenstabes muss man nicht lange suchen. Er brüllt stakkatoartig Anweisungen an seine Mitarbeiter. Wie Roboter sausen die Männer in den Arbeitsanzügen durch den Kon­trollraum, aber ich habe eher den Eindruck, es ist eine Art Beschäftigungs-Therapie. Später erfahre ich: Als im AKW am letzten Wochenende die Kühlung ausfiel, waren alle fassungslos. Für so etwas gab es keinen Plan B.

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        Panik
        Ich spreche über meinen Übersetzer mit den Mitarbeitern. Viel zu erfahren gibt es nicht. Sie wissen kaum etwas und sagen wenig. Und es ist mühsam, mit ihnen Schritt zu halten. Alles passiert hier im Laufschritt.

        Dann folgt eine Krisenbesprechung. Die neuen Zahlen zur Strahlenbelastung werden vorgelegt, ich sehe Erstaunen in den Gesichtern. Es ist wie bei einem Jo-Jo. Die Strahlenwerte waren am Vormittag gesunken, jetzt schießen sie wie wild hinauf. Warum, weiß keiner. Zaghaft werden Analysen versucht. Die Hülle könnte doch stärker beschädigt sein.

        Plötzlich beginnen alle, hektisch zu telefonieren. Da realisiere ich endgültig, dass das alles hier außer Kontrolle geraten ist. "Nichts wie weg hier", sage ich zu meinem Dolmetscher.

        Tokio
        Den restlichen Tag verbringe ich in der 35-Millionen-Metropole Tokio. Alles ist nun anders hier. Sonst erlebt man Menschenmassen auf den Gehsteigen. Mit hupenden Autos verstopfte Straßen. Doch davon ist heute nichts zu merken.

        Das Auffälligste ist die große Stille. Es sind kaum Menschen unterwegs. Irgendwo über unseren Köpfen soll jetzt die Atomwolke sein. Man sieht nichts, man hört nichts, Infos gibt es keine.

        Erdbeben
        Die Regale in den Supermärkten sind leer. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Ich bitte meinen Fahrer, mich sofort ins Hotel zurückzubringen. Plötzlich wird das Auto wild hin und her gerissen. Ich bin wie gelähmt – Erdbeben.

        Der nächste Tag
        Ich bin am Weg zum Flughafen Narita. Der Horror hat ein Ende. Es geht heim. Ende einer Apokalypse.

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