Fonseca

Im Interview

Jetzt spricht der Panama-Drahtzieher

Die geleakten Kundendaten der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca erschüttern die Welt.

Seit der Enthüllung der Panama Papers steht er im Mittelpunkt des Weltgeschehens: Ramon Fonseca, Miteigentümer der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, dem Unternehmen, das 250.000 Offshore-Firmen gründete. Reporter Herbert Bauernebel war für Bild und ÖSTERREICH in ­Panama.

ÖSTERREICH: Wird Ihre Firma diese Affäre überleben?

Ramon Fonseca: Wir machen nichts anderes als Tausende Anwälte: Wir gründen Firmen und Treuhandfonds. Das sind legale Geschäfte.

ÖSTERREICH: Wollen Sie sagen, es gibt Wirbel um nichts?

FONSECA: Die meisten Offshore-Firmen sind in anderen Ländern, nicht in Panama. Warum also wir? Jeder Mensch hat das Recht auf Privatsphäre. Vielleicht hat uns Gott auserwählt, für dieses Recht zu kämpfen.

ÖSTERREICH: In Russland sagt man, es handelt sich um eine Verschwörung …

FONSECA: Unsinn. Unsere Bücher sind offen. Sprichwörtlich. Wir haben in 40 Jahren 250.000 Firmen gegründet. Die werden für allerlei Zwecke verwendet, in 99,99 Prozent der Fälle für gute. Wenn jemand mit der gegründeten Firma etwas Krummes machen sollte, liegt die Verantwortung nicht bei uns. Wird jemand erstochen, ist ja auch nicht der Messer-Hersteller verantwortlich!

ÖSTERREICH: Wie kamen die Daten an die Öffentlichkeit?

FONSECA: Wir wurden gehackt. Von einem Computer in Übersee. Es war kein In­sider-Job.

ÖSTERREICH: Ihre Angestellten müssen ja hochnervös sein.

FONSECA: Ja, das ist keine Party hier. Unser Schicksal liegt in den Händen Gottes. Aber nochmals meine Frage: Warum berichtet niemand über das ­einzige Verbrechen, das hier wirklich verübt wurde, das Hacking? Das ist doch verrückt.

Auch Österreicher auf Liste

Unter den 11,5 Millionen Dokumenten der Panama-Papiere sind weitere Namen von Österreichern aufgetaucht. Hierzulande beteiligen sich offenbar rund 80 Personen an Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen oder waren gar deren Begünstigte.

Heimische Finanz will "alle Panama-Daten"

Wie das Wirtschaftsmagazin Trend am Freitag berichtete, seien viele kleine und mittelständische Unternehmer unter denen, die sich an den anrüchigen Geschäften mit Briefkastenfirmen beteiligen. So zum Beispiel Bestatter, Apotheker, Ärzte und Gewürzhändler. Sie sitzen in allen Bundesländen und sind öffentlich kaum bekannt. „Sobald wir wissen, wen das betrifft, leiten wir Ermittlungen ein“, sagt Johannes Pasquali vom Finanzministerium zu ÖSTERREICH.

Schon seit 2013 gibt es dort eine SOKO „Offshore-Leaks“. Das Ministerium sei sehr interessiert an den Daten aus den Panama Papers, „aber bisher ist niemand mit Informationen an uns herangetreten“. Auch das Ministerium wisse derzeit nur, was in den Zeitungen steht. (baa)



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