Kiew: Tage der Entscheidung

Proteste gehen weiter

Kiew: Tage der Entscheidung

ÖSTERREICH-Reporter Karl Wendl berichtet live aus dem Pulverfass Ukraine.

Es ist saukalt hier am Maidan-Platz. Minus 15 Grad, gefühlt sind es sicher minus 20. Doch die Tausenden Demonstranten am Maidan-Platz lassen sich davon nicht vertreiben. Sie harren aus. Tag und Nacht.

Denn trotz des Rücktritts von Premier Nikolai Asarow bleibt die Lage in Kiew angespannt. Die Demonstranten trauen den ersten Zugeständnissen von Präsident Viktor Janukowitsch nicht. Zwar ist dessen Premier Asarow und mit ihm die gesamte Regierung zurückgetreten. Doch wie es politisch in der Ukraine weitergeht, ist völlig offen.

Aus der ganzen Ukraine strömen sie nach Kiew
Die Barrikaden sind noch höher als in den Tagen zuvor. In den Zelten wärmen sich die Demonstranten am offenen Feuer in Fässern.

Weiterhin strömen Menschen aus dem ganzen Land nach Kiew. Zwei davon sind die Medizinstudentinnen Jarena Kumaska und Uliana Bilous (beide 24) aus Lemberg: „Wir gehen hier nicht weg, bevor Janukowitsch nicht sein Amt aufgegeben hat“, sagt Jarena. „Ich kann nicht in Lemberg sitzen und untätig warten, während in Kiew alles entschieden wird.“

Parlament: Feilschen um inhaftierte Demonstranten
Für Oppositionsführer Vitali Klitschko (42) bleibt es ein Balanceakt. Zwar hat er einen Punktesieg errungen, aber von einer Lösung ist man weit entfernt. Am Mittwoch wurde im Parlament von Kiew eine Sondersitzung abgehalten. Im Mittelpunkt stand die Debatte um die Freilassung der inhaftierten Demonstranten.

Abgeordnete aus dem Lager der pro-russischen Regierung wollen, dass vor einer Enthaftung alle besetzten Gebäude und Plätze geräumt werden müssen. Die Opposition fordert, den Maidan-Platz und das Gewerkschaftshaus davon auszunehmen. Mittwoch wurde das Agrarministerium teilweise geräumt. Klar ist: Eine schnelle Lösung wird es nicht geben.

Petition: Ukraine-Aktivisten bitten Mikl-Leitner um Hilfe

„Bitte helft uns!“ Innenministerin Johanna Mikl-Leitner erreichte am Mittwoch eine eindeutige Botschaft. 40 Regierungsgegner haben eine Petition ans Ministerium übergeben – mit zwei Bitten: zum einen Tätigkeiten von Firmen im Besitz ukrainischer Politiker und Oligarchen in Österreich zu untersuchen. Und zum anderen bat die Gruppe „Demokratische Ukraine“ Mikl-Leitner, politisch Verfolgte aufzunehmen und verletzte Demonstranten zu versorgen, sollten die Proteste in Kiew eskalieren. „Wir haben die Petition entgegengenommen und prüfen das bei uns intern“, heißt es aus dem Ministerium.

(prj)

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