Norwegen: Erstes Terror-Opfer begraben

18-Jährige beigesetzt

Norwegen: Erstes Terror-Opfer begraben

Berührende Rede von Außenminister Störe bei Trauerfeier.

Es ist der erste von 76 schmerzhaften Abschieden. Verzweifelte Angehörige und 300 Mittrauernde weinen im kleinen Ort Nesodden, wo das erste jugendliche Opfer des blutigen Massakers beerdigt wird. Auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg trauert. Er geht zu Gedenkfeiern seiner sozialdemokratischen Partei und in einer Osloer Moschee.

Berührende Rede des Außenministers
Zum Begräbnis für die 18-jährige Bano Abokabar Rashid kam auch Außenminister Jonas Gahr Störe. "Bano ist nicht mehr da, und es ist einfach nicht zu fassen", sagte der Sozialdemokrat über seine ermordete junge Parteikollegin. Die junge Frau, die mit ihren kurdischen Eltern als Vierjährige aus dem Irak nach Norwegen kam, war in der Arbeiterpartei aktiv und stand als Kandidatin auf den Listen für die Kommunalwahlen Mitte September.

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    "Bano hat die Idee der Demokratie verstanden und wusste, dass Norwegens Zukunft auch in ihren Händen lag", meinte der Minister und erzählte herzzerreißend von den letzten Stunden, ehe der Attentäter mit seinem Schnellfeuergewehr und einer Pistole das friedliche, Sommerlager in eine Hölle verwandelte. Bano Rashid war mit ihrem großen politischen Vorbild, Norwegens früherer Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland, zusammen.

    Beide sprachen wenige Stunden vor dem Massaker auf Utöya ausführlich miteinander. Wo es nach viel Regen matschig war, und so lieh die 18-jährige Tochter aus der Zuwandererfamilie der berühmten 72-jährigen Politikerin ihre Gummistiefel. Umgekehrt holte sie sich Ratschläge, wie man mit dem eigenem politischen Engagement Gehör finden kann.

    "Wir denken, dass dieses Mädchen, das als Flüchtling nach Norwegen gekommen ist, so viel in sich hatte, dass sie einmal in Gros Fußstapfen hätte treten können", sagte der Außenminister. Der fanatische Islamhasser Breivik sorgte mit seinem Morden dafür, dass daraus nichts werden kann.

    Nicht von ungefähr hatte er als Ziel seiner Anschläge erst das Zentrum der sozialdemokratisch geführten Regierung und dann das Sommertreffen der Parteijugend mit vielen Teenagern aus Zuwandererfamilien gewählt. Mussten doch gerade diese jungen Norwegerinnen und Norweger als Beispiele für die gelungene Integration von Zuwanderern und deren Nachkommen gelten.

    "Bano Rashid stand für das Beste in einem vielkulturellen Norwegen", sagte die Pastorin Anne Marit Tronvik. Die muslimischen Eltern der Toten wünschten ein Begräbnis mit der Kombination islamischer und christlicher Elemente.
     

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