Christoph Traunig schilderte im oe24.TV-Interview die Lage in Dubai.
Finanzinvestor Christoph Traunig lebt und arbeitet in Dubai. Im oe24.TV-Interview schilderte er die Lage vor Ort.
oe24.TV: Herr Traunig, die Lage in Dubai ist äußerst angespannt. Was haben Sie in den letzten 48 Stunden erlebt?
Christoph Traunig: Es ist schon so, dass man hier vor allem die Luftabwehr gegenüber den iranischen Drohnen und Raketen relativ deutlich mitbekommt. Man hört eigentlich die ganze Nacht über und teilweise auch früh und abends deutlich Explosionen über der Stadt. Es gibt auch immer wieder Nachrichten über beschädigte Gebäude. Also man kann schon sagen, das ist hier schon Teil des erweiterten Kriegsgebietes, leider.
oe24.TV: Es wurde ja auch Infrastruktur getroffen, unter anderem der Flughafen. Wie wirkt sich das denn vor Ort aus?
Christoph Traunig: Der Flughafen wurde jetzt gerade in der Früh ein zweites Mal ziemlich sicher getroffen. Der Flughafen ist gesperrt. Es sollte hoffentlich keine Verletzten geben. Aber es sind die großen Flughäfen der Region, die ja alle große Drehkreuze zwischen Ost und West sind - Abu Dhabi, Doha, Dubai - allesamt gesperrt. Und: Until further notice, also auch noch mit keinem konkreten Wiedereröffnungsdatum.
oe24.TV: Dubai ist ja auch eine beliebte Touristendestination. Wie stellt sich aktuell der Alltag in Dubai dar? Haben Restaurants geöffnet, gehen Menschen zum Strand? Oder verschanzen sie sich?
Christoph Traunig: Das öffentliche Leben funktioniert. Es hat alles geöffnet und es gibt auch von der Regierung den klaren Hinweis, dass man die öffentliche Ordnung aufrechterhalten möchte. Die Schulen haben jetzt bis Mittwoch Homeschooling. Man versucht so ein bisschen, das Risiko zu minimieren, aber das Leben aufrechtzuerhalten. Es gibt aktuell rund 20.000 gestrandete Touristen in Dubai, für die die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate die Kosten übernimmt. Also als ein erstes Zeichen hat man sich hier zur Schadensbegrenzung bereit erklärt, sämtliche Kosten für Hotels, Umbuchungen usw. zu übernehmen. Nichtsdestotrotz sind die Leute natürlich hier jetzt nicht in der Lage, eine Rückreise oder Weiterreise anzutreten.
oe24.TV: Sie sind ja als internationaler Finanzinvestor tätig. Wie wirkt sich denn die Situation auf das Geschäft aus? Spürt man eine Nervosität?
Christoph Traunig: Ja, es ist eine Nervosität spürbar. Dubai hat über die letzten zehn Jahre sehr mit dem Image geworben, der sichere Hafen im Mittleren Osten zu sein. Das hat jahrelang funktioniert. Man war mit niemandem sozusagen im Streit, man hatte mit niemandem Probleme, man hat sich mit allen Seiten sehr gut arrangiert. Dieses Image dürfte jetzt leider einen gewissen Kratzer abbekommen.
oe24.TV: Sie sind ja auch in den USA tätig. Haben Sie das Gefühl, dass man seitens der Regierung in Dubai jetzt auch versucht, Druck auf die USA auszuüben, den Konflikt zurück zu einer diplomatischen Lösung zu bringen?
Christoph Traunig: Das ist eigentlich der interessanteste Aspekt. Das hätte man sehr lange und die letzten Jahre eigentlich immer erwartet, dass Dubai oder die UAE versuchen würden, hier möglichst schnell zurück zur Diplomatie zu kommen und diesen militärischen Konflikt zu beenden. Der Iran hatte sich hier offensichtlich mit den ganzen GCC-Staaten (Golf-Kooperationsrat) dermaßen verscherzt, dass die UAE und Bahrain und Katar lieber bereit sind, in Kauf zu nehmen, hier in einen militärischen Konflikt hineingezogen zu werden, als auf die Amerikaner um jeden Preis auf Frieden einzuwirken. Es ist dezidiert so, dass die UAE-Position ist, es wird hier nicht sofort Frieden geschlossen.
oe24.TV: Wie sieht es aktuell aus, wenn man Dubai verlassen möchte? Ist das möglich?
Christoph Traunig: Es gibt nicht sehr viele Möglichkeiten. Also flugtechnisch gibt es aus den Vereinigten Arabischen Emiraten heraus aktuell keine Möglichkeit. Es gibt Möglichkeiten, das Land zu verlassen. Die gängigste wäre, mit dem Auto in den Oman zu fahren. Die Fahrt nach Maskat dauert ungefähr 5 Stunden. Jetzt würde ich eher von 10 Stunden ausgehen mit Stau an der Grenze. Es gibt auch immer wieder Gerüchte, es wäre gesperrt. Das stimmt alles nicht. Man kann mit dem Auto in den Oman fahren und man kann einen Flug von Maskat buchen, wohin auch immer man sozusagen ein Ticket ergattert. Es ist aber relativ gut gebucht. Fluglinien arbeiten mit Dynamic Pricing. Sie können davon ausgehen, dass ein Economy-Ticket am Freitag nach Europa wahrscheinlich 5.000 Euro kosten wird.