Ein groß angelegter Angriff der russischen Streitkräfte auf die ukrainische Energieinfrastruktur hat Samstagfrüh nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers in weiten Teilen der Ukraine Stromausfälle verursacht.
Infolge der Schäden durch den "massiven Angriff" sei am Morgen in den meisten Regionen der Strom abgeschaltet worden, erklärte der Netzbetreiber Ukrenergo im Onlinedienst Telegram. Die Angriffe hielten zunächst noch an.
Sobald die Sicherheitslage dies zulasse, werde mit Reparaturarbeiten begonnen, fügte Ukrenergo hinzu. Die polnische Armee meldete unterdessen den Einsatz von Flugzeugen zum Schutz ihres Luftraums. Bei russischen Angriffen auf den Westen der Ukraine nahe der Grenze zum Nachbarland Polen war dies bereits mehrfach der Fall.
In der Hauptstadt Kiew sind bereits seit Tagen mehr als 1.100 Wohnblocks ohne Heizung. Das Heizkraftwerk für diese Stadtteile war bei einem russischen Luftangriff am Dienstag so beschädigt worden, dass die Reparatur mindestens zwei Monate - dauern werde, hatte Bürgermeister Vitali Klitschko mitgeteilt. In diesem Winter können sie also wohl nicht mehr beheizt werden. Die Verwaltung der Drei-Millionen-Stadt veröffentlichte eine Liste mit 1.126 betroffenen Gebäuden, die alle in den Stadtteilen Darnyzja und Dniprowskyj auf dem östlichen Ufer des Dnipro liegen.
Kämpfe trotz Gesprächen
Trotz jüngster Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine attackieren die russischen Streitkräfte seit Monaten massiv die ukrainische Energieinfrastruktur. Inmitten einer winterlichen Kältewelle wurde dadurch vielerorts die Energieversorgung unterbrochen. Hunderttausende Menschen sind bei Temperaturen um die minus 20 Grad Celsius ohne Strom und Heizung.
Am Donnerstag war die zweite Runde der Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi zu Ende gegangen. Alle Seiten sprachen von Fortschritten, aber teils auch von schwierigen Gesprächen, einen Durchbruch für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine gab es nicht. Kiew und Moskau vereinbarten immerhin einen Gefangenenaustausch und kündigten eine Fortsetzung der Gespräche an.