Der Ungarn-Wahlkampf steuert langsam auf die Zielgerade zu. Für Mega-Aufregung sorgten Gerüchte um ein Sex-Video und Drogen rund um Orban-Gegner Péter Magyar. Am Wochenende kommt es zum Rede-Showdown zwischen den Kontrahenten. Orban legte mit einer Rede zur Nation vor.
Ein politisch ereignisreiches Wochenende nach einer turbulenten Woche knapp zwei Monate vor den Parlamentswahlen in Ungarn, denn der ungarische Premier Viktor Orbán und auch sein Herausforderer Péter Magyar, Vorsitzender der Oppositionspartei TISZA, halten ihre Reden zur Lage der Nation.
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Pikante Gerüchte
Im Vorfeld gab es mächtig Wirbel um ein kolportiertes Sex-Video und Drogen. Im Mittelpunkt: Orbán-Gegner Péter Magyar. Was war passiert?
Diese Woche kamen heiße Gerüchte um das Vorliegen eines Sex-Videos von Magyar auf. Anlass war das Auftauchen einer neuen, von Unbekannten lancierten Webseite, die das Bild eines leeren Schlafzimmer zeigte. Den einzigen Beitrag dieser Seite unterlegte die englischsprachigen Schriftzüge "Coming soon" (Demnächst an dieser Stelle) und "Once upon a time... 2024.08.03" (Es war einmal .... 3.8.2024).
Ungarische Journalisten identifizierten anschließend das Schlafzimmer als Teil einer Airbnb-Wohnung an der Budapester Ringstraße. Magyar teilte bereits zuvor mit, dass er im August 2024 im Anschluss an eine Party mit Aktivisten seiner TISZA-Partei in dem gezeigten Zimmer Sex mit seiner Ex-Freundin hatte, die ihn, wie er schrieb, damals erneut "verführt" habe.
Spuren von Alkohol- und Drogengenuss
Das Zimmer hätten andere vor ihm benutzt, er habe Spuren von Alkohol- und Drogengenuss vorgefunden. Er selbst habe noch nie in seinem Leben Drogen konsumiert. Der Spitzenkandidat der ungarischen Opposition für die Parlamentswahl am 12. April, Péter Magyar, hat Anzeige wegen der anonymen Androhung der Veröffentlichung eines Sex-Videos erstattet. Auf Facebook schrieb er, es bestehe unter anderem der Verdacht der unzulässigen Datensammlung sowie des Missbrauchs personenbezogener Daten.
Rede-Duell im Wahlkampf
Wenige Tage nach dem Aufreger kommt es dann zum Fernduell zwischen Amtsinhaber Orban und Herausforderer Magyar. Den Anfang machte am Samstag Orban mit seiner Rede zur Lage der Nation. Im Vorfeld wurde die Rede Orbáns in den Medien als eine der wichtigsten seiner politischen Karriere bezeichnet.
Das Jahr 2026 werde das Jahr des Sieges für Ungarn, betonte Orbán in Budapest in einer Rede zur Lage der Nation. Er warf deutschen Politikern und der EU vor, TISZA erschaffen zu haben. TISZA sei eine "Kreation" Brüssels und deren Programm eine "Lüge". Es dürfe nicht zugelassen werden, dass eine "TISZA-Brüssel-Großkapital-Koalition" an die Regierung gelangt, denn diese würde die Familien ausbeuten. Zugleich zeigte sich der Premier vom Wahlsieg seiner Partei Fidesz überzeugt, denn er habe bei seiner Reise durch Ungarn den Zuspruch der Menschen erfahren.
"TISZA ist eine Schöpfung Brüssels. Die Deutschen wissen, dass sie eine ungarische Partei brauchen", sagte Orbán . Die Deutschen, der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hätten die Partei gegründet. Fidesz war im Streit um Rechtsstaatsprinzipien 2021 aus der EVP ausgetreten. Im Juni 2024 schlossen sich die TISZA-Abgeordneten im EU-Parlament der EVP-Fraktion an, der auch die ÖVP angehört.
Drohung gegen Brüssel
Rückblickend auf das Jahr 2025 lobte Orbán im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine die Friedensbestrebungen seines Landes. Er kritisierte Brüssel als Gefahrenquelle und für den Versuch, Ungarn in die gemeinsame europäische Außenpolitik zu drängen, wie es auch die Partei TISZA angekündigt hätte. Orbán erklärte in Richtung EU: "Wir werden nicht zulassen, dass Ungarn das Stimmrecht entzogen wird."
Er werde weiterhin gegen "pseudo-zivile Organisationen, gekaufte Journalisten, Richter und Politiker" vorgehen, erklärte Orbán weiter. Er gestand ein, dass seine Arbeit nur zur Hälfte getan sei. Die "Unterdrückungsmaschinerie" Brüssels funktioniere noch in Ungarn, "was wir nach dem April beseitigen werden".
Orbán erklärte weiters, dass Ungarn über billiges Gas und Öl verfüge, das Kernkraftwerk Paks ausgebaut und damit für ausreichende Energie für die Entwicklung der Wirtschaft gesorgt werde. Als Wirtschaftserfolge seiner Regierung nannte der Premier Rekordinvestitionen, Steuervergünstigungen, die Einführung der 14. Monatspension, die Erhöhung des Mindestlohns und den erfolgreichen Kampf gegen den Drogenhandel.