Proteste im Iran

"Rote Linie": Revolutionsgarden drohen Demonstranten

Im Iran drohen die Revolutionsgarden mit der Niederschlagung der anhaltenden Proteste gegen die Führung.  

Die Wahrung der Sicherheit sei eine "rote Linie", erklärten sie am Samstag im Staatsfernsehen. Es sei inakzeptabel, dass die gegenwärtige Lage anhalte. Das Militär, das dem geistlichen und politischen Oberhaupt Aytollah Ali Khamenei untersteht, teilte mit, es werde die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum schützen.

Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, es seien 100 "bewaffnete Randalierer" in der Stadt Baharestan bei Teheran festgenommen worden. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht. Die Führung der Islamischen Republik versucht, die seit fast zwei Wochen anhaltenden landesweiten Proteste zu beenden. Sie haben sich in der Hauptstadt Teheran an der steigenden Inflation entzündet, rasch ausgeweitet und richten sich nun auch gegen die Führung.

Iran
© X

Die Kundgebungen gingen in der Nacht auf Samstag weiter. In Karaj westlich von Teheran wurde laut Staatsmedien ein städtisches Gebäude in Brand gesetzt. Zudem strahlte das Staatsfernsehen Bilder von Beerdigungen von Sicherheitskräften aus, die bei den Protesten getötet worden sein sollen.

Iran-Proteste
© APA/AFP/UGC/-

Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. In einem von Aktivisten veröffentlichten Video waren Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. "Tod dem Diktator", ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.

Iran-Proteste
© APA/AFP/UGC/-

Augenzeuge berichtet von Schüssen der Revolutionsgarden

Einem Augenzeugen zufolge schossen die Revolutionsgarden im Westen des Landes auf Protestierende. Ein Arzt im Nordwesten des Irans sagte, seit Freitag seien zahlreiche verletzte Demonstranten in die Krankenhäuser gebracht worden. Einige seien schwer geschlagen worden und hätten Kopfverletzungen sowie Brüche an Armen und Beinen erlitten. Mindestens 20 Menschen in einem Krankenhaus hätten Schusswunden durch scharfe Munition aufgewiesen, fünf Patienten seien später gestorben.

Die iranische Menschenrechtsgruppe HRANA dokumentierte bis zum 9. Jänner 65 Tote - 50 Demonstranten und 15 Sicherheitskräfte. Der in Norwegen ansässigen Gruppe Hengaw zufolge wurden in den vergangenen zwei Wochen mehr als 2.500 Menschen festgenommen.

Regierung spielt Massenproteste herunter

Die iranische Führung spielte unterdessen die landesweiten Massenproteste herunter. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht.

Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten "bewaffnete Terroristen" zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen "bewaffneter Terroristen" scharf verurteilt.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten