Nach mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine scheint die russische Wirtschaft am Ende ihrer Kräfte zu sein. Ein Experte sieht den "Hemingway-Moment" für Putins Finanzen nahen.
Obwohl es dem Kreml bisher gelang, die massiven westlichen Sanktionen scheinbar ohne große Einbußen wegzustecken, sieht der EU-Sanktionsbeauftragte David O‘Sullivan nun bald eine Grenze erreicht. Er sieht die Wirtschaft Russlands kurz vor dem Zusammenbruch. Laut dem Experten seien die Auswirkungen der jahrelangen Isolierung mittlerweile verheerend und der Absturz könnte schneller kommen als viele vermuten. "Die russische Wirtschaft befindet sich in einem verheerenden Zustand. Alle Wirtschaftsindikatoren blinken rot", so O‘Sullivan.
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Das Land taumelt laut dem irischen Diplomaten direkt in eine Rezession. Die russische Wirtschaft hat demnach mit Inflation, sehr hohen Zinsen und großen Problemen bei den öffentlichen Finanzen zu kämpfen. Besonders kritisch ist die Lage der Banken: Diese würden laut O‘Sullivan auf schlechten Krediten sitzen, welche die Industrie zur Finanzierung der Kriegswirtschaft aufnehmen musste. Da viele Unternehmen diese Schulden nun nicht mehr begleichen können, steht Russland kurz vor einer Finanzkrise, die an das Krisenjahr 1998 erinnert.
"Hemingway-Moment" für Russland
O‘Sullivan betonte gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND), dass ein "Diktator, der entschlossen ist", den Krieg zwar um jeden Preis fortsetzen könne, die Situation jedoch irgendwann unhaltbar werde. Er zieht dabei einen Vergleich zum Schriftsteller Ernest Hemingway: Dieser soll auf die Frage, wie man bankrottgehe, geantwortet haben: "Erst sehr langsam, und dann sehr schnell". Genau diesen Moment erwartet der EU-Beauftragte für Moskau. "Ich glaube, dass die russische Wirtschaft erst sehr langsam und dann sehr schnell zusammenbrechen wird. Wir wissen nur nicht genau, wann dieser Hemingway-Moment kommt", so O‘Sullivan.