Die rechte Lega um Vizepremier Matteo Salvini startete eine Kampagne mit dem Slogan "No Moschea" ("Nein zur Moschee").
In Venedig erhitzt ein politischer Streit über den Bau einer Moschee den Wahlkampf für die am 24. und 25. Mai geplanten Bürgermeisterwahlen. Vertreter des Mitte-rechts-Lagers werfen Kandidaten des Mitte-links-Bündnisses vor, religiöse Themen gezielt für den Wahlkampf zu nutzen.
Die stärkste italienische Oppositionspartei Partito Democratico (PD) tritt bei den Kommunalwahlen mit sechs Kandidaten aus der bengalischen Gemeinschaft an. Sie unterstützen die Kandidatur für den Bürgermeisterposten des Mitte-links-Bewerbers Andrea Martella. In Venedig und den angrenzenden Stadtteilen lebt eine größere Gemeinschaft mit Wurzeln in Bangladesch. Wahlaufrufe in bengalischer Sprache sorgten im Vorfeld für politische Diskussionen.
Kritiker verweisen auf rechtliche und städtebauliche Hürden in Zusammenhang mit Moschee-Plan
Ein zentrales Thema im Wahlkampf ist der geplante Bau einer Moschee in Mestre. Vertreter der PD betonen, es handle sich dabei um die Ausübung der Religionsfreiheit. Kritiker verweisen hingegen auf rechtliche und städtebauliche Hürden. Die bengalische Gemeinschaft zählt zu den größten in der Lagunenstadt und engagiert sich seit Längerem - auch durch Spendenaktionen, etwa zum Ende des Ramadan - für den Bau einer Moschee in Mestre auf dem venezianischen Festland.
Kritik kommt aus dem Mitte-rechts-Lager. Der venezianische Senator Raffaele Speranzon, Spitzenpolitiker der Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) bedauerte, dass aus seiner Sicht die Kandidaten aus Bangladesch lediglich ihre Gemeinschaft und nicht die Stadt Venedig repräsentieren wollen. "Es entstehen Schwierigkeiten, wenn nur die eigene Unterschiedlichkeit betont wird - mit Bräuchen und Traditionen, die mitunter im Widerspruch zu unserer Kultur und Identität stehen", argumentierte Speranzon.
Lega startet Kampagne "Nein zur Moschee"
Die rechte Lega um Vizepremier Matteo Salvini startete in Venedig eine Kampagne mit dem Slogan "No Moschea" ("Nein zur Moschee"). Diese wird auch auf Bussen im Stadtgebiet verbreitet. Die Europaabgeordnete der Lega Anna Maria Cisint kritisierte die Demokratische Partei scharf und warf ihr vor, mit fremdsprachigen Flugblättern und religiösen Bezügen Wählern zu suggerieren, sie sollten "im Namen Allahs" für die PD-Partei stimmen.
Zugleich bekräftigte die Lega ihre Ablehnung eines Moscheebaus in der Stadt. Voraussetzung sei eine formelle Vereinbarung mit dem italienischen Staat, wie sie die Verfassung für Religionsgemeinschaften vorsehe.
Eine direkte Reaktion der PD lag zunächst nicht vor. Zuvor hatte der Mitte-links-Kandidat Andrea Martella erklärt, ein islamisches Gotteshaus sei unproblematisch, sofern es im Einklang mit Gesetzen, Verfassung und kommunalen Vorschriften errichtet und transparent betrieben werde.
Bei den Kommunalwahlen in Venedig treten acht Bürgermeisterkandidaten an. Neben dem Mitte-links-Kandidaten Martella zählt der aktuelle Tourismusbeauftragte der Stadt Simone Venturini als Mitte-rechts-Kandidat zu den aussichtsreichsten Bewerbern. Wahlberechtigt sind bei den Kommunalwahlen in Venedig rund 205.000 Personen.