Fördermengen sinken

Venezuela - Erdöl als zentraler Streitpunkt mit den USA

Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt. Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur IEA waren es im Jahr 2023 rund 17 Prozent der weltweiten Vorkommen.

Auch wenn das venezolanische Öl von geringerer Qualität ist und vor allem für Diesel oder Nebenprodukte wie Asphalt verwendet wird, ist der Rohstoff in den Beziehungen zu den USA schon seit Langem Anlass für Konflikte. Ein Überblick:

Jahrzehntelang wichtiger Öllieferant der USA

Seit der Entdeckung der ersten Ölfelder in den 1920er Jahren förderten US-Unternehmen Erdöl in Venezuela. Viele Raffinerien in den USA wurden speziell für die Verarbeitung des schweren venezolanischen Rohöls konzipiert und sind auch heute noch darauf ausgerichtet.

Bis 2005 war Venezuela einer der wichtigsten Öllieferanten der Vereinigten Staaten, mit monatlichen Importen von bis zu 60 Millionen Barrel. Die Lage änderte sich dramatisch, nachdem der damalige sozialistische Staatschef Hugo Chávez 2007 die Industrie weiter verstaatlichte und den Besitz von US-Firmen beschlagnahmte.

Sinkende Fördermengen und marode Anlagen

Nach einem Höchststand von mehr als drei Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er Jahre produzierte Venezuela zuletzt etwa eine Million Barrel pro Tag - rund zwei Prozent der weltweiten Gesamtmenge. 2019 verbot Trump die Einfuhr venezolanischen Öls im Zuge von Sanktionen gegen Staatschef Nicolás Maduro. Das trug dazu bei, dass die tägliche Fördermenge 2020 auf ein historisches Tief von 350.000 Barrel sank.

Für den US-Konzern Chevron gilt jedoch eine Ausnahme: Mit einer Sonderlizenz fördert er etwa zehn Prozent der venezolanischen Gesamtmenge und darf als einziges Unternehmen venezolanisches Öl in die Vereinigten Staaten liefern. Chevron ist auf vier Ölfeldern in Venezuela zusammen mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA aktiv.

Korruption, mangelnde Investitionen und die US-Sanktionen haben der Industrie des südamerikanischen Landes schwer zugesetzt. Der Aufwand, die maroden Ölplattformen in Venezuela wieder in Stand zu setzen, wäre sehr hoch. Für US-Firmen würden sich diese großen Investitionen angesichts der stabilen weltweiten Versorgung und der niedrigen Preise nicht lohnen, sagen Analysten.

Dennoch hob Trump nach der Gefangennahme Maduros hervor, dass sich die USA nun wieder stark im Erdöl-Sektor in Venezuela engagieren wollten: Die großen US-Konzerne würden "reingehen, Milliarden Dollar ausgeben, die schwer beschädigte Infrastruktur reparieren, die Öl-Infrastruktur, und anfangen, Geld für das Land zu machen". Doch würden die US-Sanktionen auf Öl aus Venezuela vorerst "voll in Kraft bleiben".

Wie Venezuela Sanktionen umgeht

Angesichts der US-Sanktionen findet Venezuela nur wenige Käufer für sein Öl. Schätzungen zufolge kauft China 80 Prozent des Erdöls über Malaysia - das südostasiatische Land verfügt ebenfalls über Ölreserven und dient als eine Art Deckmantel. Etwa fünf Prozent gehen im Rahmen eines Abkommens nach Kuba.

Um das US-Embargo zu umgehen, setzt Caracas auf sogenannte "Schattentanker" oder "Geisterschiffe", die Tricks wie falsche Flaggen und gefälschte Reiserouten nutzen. Käufer zahlen mit Kryptowährung.

Geopolitische Interessen

Trump beschuldigte Venezuela nach dem US-Militäreinsatz erneut, "unser gesamtes Öl" gestohlen zu haben. "Wir werden es zurückholen", sagte er. Das werde die USA nichts kosten. "Viel Geld kommt aus dem Boden, wir werden zurückbezahlt für alles, was wir ausgeben." Nach Trumps Ansicht werde das Öl dank US-Investitionen und Ausrüstung aus der Zeit vor Chávez' Verstaatlichungen gefördert, sagte John Plassard von der Cité Gestion Private Bank. Das Ziel der USA sei es zudem, "chinesische Akteure vom amerikanischen Kontinent" zu verdrängen und so etwa China den Einfluss auf den Panamakanal zu nehmen, über den viel venezolanisches Öl transportiert wird.

Blockade von Öltankern

Am 16. Dezember gab Trump eine Blockade von sanktionierten Öltankern bekannt, die Venezuela ansteuern oder verlassen. Tage zuvor hatten US-Streitkräfte bereits den Schattentanker "Skipper" beschlagnahmt. Er transportierte nach US-Angaben mehr als eine Million Barrel venezolanisches Öl, die Berichten zufolge für Kuba bestimmt waren.

Vor gut zwei Wochen setzte die US-Küstenwache den Tanker "Centuries" fest, den die Website Tankertrackers.com als Schiff in chinesischem Besitz unter panamaischer Flagge identifizierte. Kurz darauf teilten US-Regierungsvertreter mit, dass die Küstenwache einen dritten Tanker verfolge.

Auswirkungen auf die Ölpreise

Die Ölpreise sanken Montag früh zunächst. Gegen 08.00 Uhr kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent 60,27 Dollar (rund 52 Euro) und verzeichnete damit einen Rückgang um 0,8 Prozent. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate ging um 0,9 Prozent auf 56,83 Dollar (rund 48,70 Euro) zurück.

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