Israel hat seine Angriffe im Gazastreifen verstärkt: Einwohner im Norden des Palästinensergebiets berichteten von den schwersten Bombardierungen und Artillerie-Angriffen seit Wochen.
Israelische Panzer seien in der Nacht zum Montag in den Vorort Zeitoun von Gaza-Stadt vorgestoßen und hätten mehrere Gebiete unter Beschuss genommen, sagten betroffene Palästinenser. Flugzeuge hätten mindestens vier Schulen attackiert.
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Hunderte Familien vertrieben
Zuvor seien Hunderte Familien aufgefordert worden, die Gebäude zu verlassen. "Die Explosionen hörten nicht auf; sie bombardierten Schulen und Häuser. Es war wie ein Erdbeben", sagte der Familienvater Saleh in Gaza-Stadt. Auch aus dem Süden wurde israelischer Beschuss gemeldet. Nach Angaben medizinischer Einrichtungen im Gazastreifen wurden bei den Angriffen in dem Küstengebiet mindestens 58 Menschen getötet, davon allein zehn Menschen in Zeitoun und 13 weitere im Südwesten von Gaza-Stadt. 20 Menschen sollen bei einem Luftangriff auf ein Café am Strand von Gaza-Stadt ihr Leben verloren haben.
Das israelische Militär erklärte, es seien Kommando- und Kontrollzentren von Extremisten angegriffen worden. Man habe dabei Maßnahmen ergriffen, um das Risiko ziviler Opfer zu verringern.
Neuen Verhandlungstermin gibt es nicht
Vor den Angriffen hatte die Armee die Bewohner weiter Teile im Norden des Gazastreifens aufgefordert, sich in den Süden zurückzuziehen. Das Militär wolle im Norden gegen Kämpfer der radikal-islamischen Hamas vorgehen. Geplant seien auch Vorstöße in Gaza-Stadt hinein. Das israelische Militär wirft den Extremisten vor, sich unter Zivilisten zu verstecken, was die Hamas bestreitet. Noch am Montag wollte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu das weitere Vorgehen im Sicherheitskabinett beraten.
Die Bemühungen um ein Abkommen zur Beendigung der Kämpfe verharrten in gegenseitiger Blockade. Vermittler aus Katar und Ägypten erklärten, einen neuen Verhandlungstermin gebe es nicht. Die Hamas bekräftigte, Fortschritte seien nur möglich, wenn Israel sich bereit erkläre, den Krieg zu beenden und sich aus dem Gazastreifen zurückzuziehen. Dies lehnt die Regierung in Jerusalem ab, deren Kriegsziel die Vernichtung der Hamas ist.
Die USA hatten eine 60-tägige Waffenruhe vorgeschlagen, die an die Freilassung der Hälfte der israelischen Geiseln aus der Gewalt der Hamas und von palästinensischen Gefangenen geknüpft ist. Sobald eine dauerhafte Waffenruhe vereinbart wird, sollten dann die restlichen Geiseln übergeben werden. Am Montag wurde ein Vertrauter von Netanyahu von der US-Regierung in Washington erwartet, um den Weg zu einer Waffenruhe zu erörtern.